Seminar: [BA-EM] "Sie hat angefangen zu erzählen. Drei Tage hat es gedauert. Wir haben sehr viel gelacht und noch viel mehr geweint." Die deutschsprachige Erinnerungskultur zwischen der "Geburt des Zeitzeugen" und dem "Ende der Zeitzeugenschaft" - Details

Seminar: [BA-EM] "Sie hat angefangen zu erzählen. Drei Tage hat es gedauert. Wir haben sehr viel gelacht und noch viel mehr geweint." Die deutschsprachige Erinnerungskultur zwischen der "Geburt des Zeitzeugen" und dem "Ende der Zeitzeugenschaft" - Details

Allgemeine Informationen

Veranstaltungsname Seminar: [BA-EM] "Sie hat angefangen zu erzählen. Drei Tage hat es gedauert. Wir haben sehr viel gelacht und noch viel mehr geweint." Die deutschsprachige Erinnerungskultur zwischen der "Geburt des Zeitzeugen" und dem "Ende der Zeitzeugenschaft"
Semester WiSe 2026/27
Aktuelle Anzahl der Teilnehmenden 8
maximale Teilnehmendenzahl 30
Heimateinrichtung Leitung des Instituts für Geschichte
Veranstaltungstyp Seminar in der Kategorie Offizielle Lehrveranstaltungen
Nächster Termin Montag, 26.10.26, 14:00 - 16:00 Uhr Seminarraum 22 A (Raum 1.02) [LuWu 2]
Lehrsprache(n) Deutsch

Modulzuordnungen

Kommentar/Beschreibung

[BA-EM] „Sie hat angefangen zu erzählen. Drei Tage hat es gedauert. Wir haben sehr viel gelacht und noch viel mehr geweint." Die deutschsprachige Erinnerungskultur zwischen der "Geburt des Zeitzeugen" und dem "Ende der Zeitzeugenschaft" - geschichtswiss. Perspektiven auf Säulen des kommunikativen Gedächtnisses

Zeitzeug:innen sind aus der deutschen Erinnerungskultur nicht mehr wegzudenken. Vor allembezüglich der NS-Vergangenheit sind sie als Erzählfiguren derart fest verankert und prominent gewesen, dass Sie, liebe Studierende, möglicherweise bereits ein Bild vor Ihrem geistigen Auge haben entstehen lassen: Was für eine Person sehen Sie vor sich, wenn Sie an NS-Zeitzeug:innen denken? Keine der Facetten, die Sie Ihnen verleihen - Alter, Hautfarbe, Mimik, Stimmfestigkeit, Lautstärke, Blickkontakt -, ist Zufall, ganz im Gegenteil: Die Art und Weise, wie NS-Zeitzeugenschaft über die letzten Jahrzehnte hinweg funktioniert hat, hat unsere Vorstellung davon, wie Vorstellungen von Vergangenheit (=Geschichte(n)) vermittelt werden können, maßgeblich geprägt.

Diese Prägung wird just in dem Moment am deutlichsten, in dem die letzten NS-Zeitzeug:innen von uns gehen. Das "Ende der Zeitzeugenschaft" hatte sich angekündigt, ist sie doch an die natürliche Lebensdauer der Zeitzeug:innen gekoppelt - oder?!

Lassen Sie uns genau das und das Phänomen der (NS-)Zeitzeugenschaft insgesamt also hinterfragen. Wir werden seine Genese historiografisch herleiten und quellenkritisch einordnen, um anschließend Konsequenzen für die deutschsprachige Gesellschaft der letzten Jahrzehnte abzuleiten. Einen substanziellen Teil des Seminars werden wir aber auch darauf verwenden, uns mit Formaten auseinanderzusetzen, die einen Blick in die nächsten Jahrzehnte zulassen werden. Wenn die NS-Zeitzeugenschaft (nicht) endet, welche Folgen hat das (nicht)? Wenn wir Einfluss darauf nehmen können, wie sie weiterhin funktioniert, welche Elemente sind aus geschichtswissenschaftlicher Perspektive unverzichtbar, bei welchen stellen wir aber auch fest, dass sie die NS-Zeitzeugenschaft in ihrer Aussagekraft eingeschränkt haben? Und was sagt uns das alles über die nächste Generation von Zeitzeug:innen - jenen, die uns heute Berichte von der Zeit der deutsch-deutschen Teilung erstatten?

Sie erwartet darüber hinaus ein spannender Einblick hinter die Kulissen eines Projektes von MDR & SWR, in dem Zeitzeug:innen eine zentrale Rolle spielen!

Literaturempfehlungen:
Sabrow, Martin/Frei, Norbert (Hgg.): Die Geburt des Zeitzeugen nach 1945, Göttingen 2012
Knigge, Volkhard (Hgg.): Jenseits der Erinnerung – Verbrechensgeschichte begreifen: Impulse für die kritische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus nach dem Ende der Zeitgenossenschaft, Göttingen 2022
Reichwald, Anika u. a. (Hgg.): Ende der Zeitzeugenschaft? Über den Umgang mit Zeugnissen von Überlebenden der NS-Verfolgung, Göttingen 2024
Wierling, Dorothee: Zeitgeschichte ohne Zeitzeugen. Vom kommunikativen zum kulturellen Gedächtnis – drei Geschichten und zwölf Thesen, in: BIOS 21 (2008), H. 1, S. 28–36.

Modulleistung: Hausarbeit

Studienleistung: Diskussionsteilnahme: aktive, laufende Mitarbeit; weitere Studienleistungen werden individuell durch die Lehrenden festgelegt

Anmelderegeln

Diese Veranstaltung gehört zum Anmeldeset "WS 2026/2027 BA-Einführungsmodul Moderne".