Vorlesung: [BA-EV/MA-VI] Das 14. Jahrhundert-Krise oder Transformation? - Details

Vorlesung: [BA-EV/MA-VI] Das 14. Jahrhundert-Krise oder Transformation? - Details

Allgemeine Informationen

Veranstaltungsname Vorlesung: [BA-EV/MA-VI] Das 14. Jahrhundert-Krise oder Transformation?
Semester WiSe 2026/27
Aktuelle Anzahl der Teilnehmenden 62
erwartete Teilnehmendenzahl 60
Heimateinrichtung Institut für Geschichte
Veranstaltungstyp Vorlesung in der Kategorie Offizielle Lehrveranstaltungen
Nächster Termin Mittwoch, 28.10.26, 10:00 - 12:00 Uhr Hörsaal III (R.1.31)[EA 26-27]
Lehrsprache(n) Deutsch

Modulzuordnungen

Kommentar/Beschreibung

Die ältere Forschung, vertreten u.a. durch Wilhelm Abel und František Graus, deutete das 14. Jahrhundert als eine große, kohärente Umbruchsphase europäischer Reichweite. Abel entwickelte ein wirtschaftshistorisches, malthusianisch geprägtes Modell: Bevölkerungsüberdruck führte zu Hungersnöten (1315–1317) und in Verbindung mit der Pest (ab 1347) zu massivem Bevölkerungsrückgang, fallenden Getreidepreisen bei steigenden Löhnen und einer tiefgreifenden Agrarkrise mit Wüstungen. Graus erweiterte diese Perspektive um einen sozial- und mentalitätsgeschichtlichen Zugang: Er verstand die Krise als Strukturkrise der gesamten feudalen Gesellschaft, sichtbar etwa in Judenpogromen, Geißlerbewegungen und Endzeiterwartungen als Symptomen gesellschaftlicher Auflösungserscheinungen.
Die neuere Forschung relativiert dieses Bild einer einheitlichen Gesamtkrise deutlich. Sie betont stattdessen regionale Unterschiede, ein Zusammenspiel mehrerer, teils unabhängiger Faktoren (Klima, Pest, Kriege, politische Prozesse) sowie Transformations- statt bloße Niedergangsprozesse. Statt von „der Krise“ spricht man heute eher von mehreren parallelen Krisenphänomenen, deren Kausalzusammenhänge kritischer und multikausaler betrachtet werden als in der älteren Forschung. Da es sich bei den zu beobachtenden Phänomenen zumeist um solche handelt, die nicht auf bestimmte Königreiche oder Regionen Europas beschränkt blieben, widmet sich die Vorlesung den Ereignissen und Entwicklungen des 14. Jahrhunderts in europäischer Perspektive, wenn auch mit einem Schwerpunkt auf dem Reich.
Die Vorlesung bildet die Grundlage für die Staatsexamensklausur im Bereich Mittelalter.

Literaturempfehlung: Bruce M. S. CAMPBELL, The Great Transition: Climate, Disease and Society in the Late-Medieval World, Cambridge 2016; Martin BAUCH/Gerrit J. SCHENK (Hgg.), The Crisis of the 14th Century. Teleconnections between Environmental and Societal Change?

Studienleistung: Als Studienleistung wird ein Kurztest geschrieben.