Übung: [BA-VV/Kulturen der Aufklärung] Von Alltäglichem und Absonderlichem, Festen und Verschwörungen - Frühneuzeitliche Gesandtenberichte als politik-, kultur- und sozialgeschichtliche Quellen am Beispiel der "Klement-Affäre" (1718/19) - Details

Übung: [BA-VV/Kulturen der Aufklärung] Von Alltäglichem und Absonderlichem, Festen und Verschwörungen - Frühneuzeitliche Gesandtenberichte als politik-, kultur- und sozialgeschichtliche Quellen am Beispiel der "Klement-Affäre" (1718/19) - Details

Allgemeine Informationen

Veranstaltungsname Übung: [BA-VV/Kulturen der Aufklärung] Von Alltäglichem und Absonderlichem, Festen und Verschwörungen - Frühneuzeitliche Gesandtenberichte als politik-, kultur- und sozialgeschichtliche Quellen am Beispiel der "Klement-Affäre" (1718/19)
Semester WiSe 2026/27
Aktuelle Anzahl der Teilnehmenden 6
maximale Teilnehmendenzahl 12
Heimateinrichtung Institut für Geschichte
Veranstaltungstyp Übung in der Kategorie Offizielle Lehrveranstaltungen
Nächster Termin Dienstag, 27.10.26, 16:00 - 18:00 Uhr Seminarraum 9 (R.2.36) [EA 26-27]
Leistungsnachweis Modulleistung: Zum BA-Vertiefungsmodul Vormoderne gehört neben dem Besuch der Übung auch der Besuch eines Seminars, in dem die Modulleistung (Hausarbeit) erbracht wird. In der Übung erbringen Sie ‚nur‘ eine aus mehreren Teilleistungen zusammengesetzte Studienleistung, deren Bestehen für den Abschluss des Moduls ebenfalls notwendig ist.

Studienleistung: Die Studienleistung setzt sich aus mehreren schriftlichen Übungsleistungen (schriftliche Quellenkritik, Transkriptionsübungen u. ä.) und der aktiven, regelmäßigen Beteiligung an der Seminardiskussion (inkl. der produktiven Lektüre der für die jeweilige Sitzung vorzubereitenden Quellen und/oder Sekundärliteratur) zusammen. Das Bestehen der Studienleistung ist für den Abschluss des Moduls notwendig.
Lehrsprache(n) Deutsch
SWS 2

Modulzuordnungen

Kommentar/Beschreibung

Spätestens in der zweiten Hälfte des 17. und im frühen 18. Jahrhundert etablierte sich in Europa ein zunehmend dauerhaftes, ständiges Gesandtschaftswesen zwischen den verschiedenen Herrscherhöfen. Als Folge der damit einhergehenden zunehmenden Institutionalisierung und Formalisierung der Diplomatie in Europa stieg auch die Produktion gesandtschaftlichen Schriftguts immer weiter an. Gesandte schrieben in regelmäßigem Rhythmus, mitunter mehrmals pro Woche, umfassende Berichte an ihre Heimathöfe. Dabei informierten sie über alles, was an dem jeweiligen auswärtigen Hof vor sich ging und potentiell von Interesse für den entsendenden Hof sein konnte. So berichteten sie über aktuelle politische Debatten an ihrem Gast-Hof, charakterisierten zentrale Akteure und schätzten deren politische Positionen ein, gaben Informationen zum gesellschaftlichen Leben und umrissen höfische Intrigen sowie den neuesten Klatsch und Tratsch.
Solche Gesandtenberichte können folglich einerseits durch ihren seriellen Charakter und ihre hohe Anzahl, andererseits durch die große Bandbreite der in ihnen besprochenen Themen, nicht nur für diplomatiehistorische Untersuchungen im engeren Sinne, sondern auch und gerade für die Erforschung politik-, kultur- und sozialgeschichtlicher Fragen an die Frühe Neuzeit und insbesondere an frühneuzeitliche Herrscher und deren Höfe eine höchst relevante Quellengattung sein.
Der brandenburg-preußische Hof unter seinem zweiten König Friedrich Wilhelm I. stellte hier keine Ausnahme dar. Die Gesandten aus auswärtigen Territorien berichteten ganz regelmäßig vom Geschehen in Berlin, und so auch von den merkwürdigen Ereignissen, die sich ab dem Herbst 1718 in der Residenzstadt zutrugen: Hausdurchsuchungen, scheinbar willkürliche Verhaftungen und die Verbreitung wildester Gerüchte waren an der Tagesordnung. All dies stand im Kontext einer gewissermaßen ‚doppelten‘ Verschwörung, der sogenannten „Klement-Affäre“.
In der Übung wollen wir uns mit dieser Affäre und vor allem den diplomatischen Berichten in ihrem Kontext eingehend befassen. Nach einigen einführenden Sitzungen zum frühneuzeitlichen Gesandtschaftswesen und zu methodisch-quellenkritischen Reflexionen soll die Lektüre und Analyse konkreter Gesandtenberichte aus den Jahren 1718/1719 im Zentrum der Übung stehen. Wir wollen an diesen exemplarisch analysieren, wie Gesandte gerade in Krisenzeiten unsicheres Wissen, Gerüchte und Vermutungen kommunizierten, worüber sie schwiegen, wie sie ihr eigenes Handeln in heiklen Situationen sowie ihre Alltagsgeschäfte darstellten und welche Rollen sie am Hof einnahmen. Die Erörterung dieser Fragen lässt Rückschlüsse auf den generellen Wert von Gesandtenberichten als politik-, kultur- und sozialgeschichtliche Quellen zu.
Dabei werden primär Digitalisate handschriftlich vorliegender Berichte im Zentrum stehen, sodass Sie zugleich auch eine Einführung in die Erschließung frühneuzeitlicher Handschriften erhalten. Die Veranstaltung bietet Ihnen somit Gelegenheit, sowohl allgemeine Kompetenzen zur Nutzung, Analyse und Interpretation frühneuzeitlicher Quellen als auch Ihre paläographische Lektürefähigkeit zu stärken. Die zu lesenden Berichte sind dabei auf Deutsch und Englisch verfasst. Außerdem erhalten Sie einen Einblick in einen spannenden und aus heutiger Sicht fast abstrus erscheinenden Fall höfischer Verschwörungen und Intrigen.

Literaturempfehlungen:
Hillard von Thiessen: Diplomatie vom type ancien. Überlegungen zu einem Idealtypus des frühneuzeitlichen Gesandtschaftswesens, in: Ders./ Christian Windler (Hg.): Akteure der Außenbeziehungen. Netzwerke und Interkulturalität im historischen Wandel, Köln/ Weimar/ Wien 2010 (Externa. Geschichte der Außenbeziehungen in neuen Perspektiven, 1), S. 471-503.
Elisabeth Ruffert: Das Gesandtschaftszeremoniell des brandenburgisch-preußischen Hofes um 1700, Berlin 2022.Frank Göse: Kap. „Die Außenpolitik“, in: Ders.: Friedrich Wilhelm I. Die vielen Gesichter des Soldatenkönigs, Darmstadt 2020, S. 306-371, insb. S. 339-341.

Anmelderegeln

Diese Veranstaltung gehört zum Anmeldeset "WS 2026/2027 alle andere Lehrveranstaltungen".
Folgende Regeln gelten für die Anmeldung:
  • Es wird eine festgelegte Anzahl von Plätzen in den Veranstaltungen verteilt.
    Die Plätze werden in der Reihenfolge der Anmeldung vergeben.
  • Die Anmeldung ist möglich von 28.09.2026, 08:00 bis 18.10.2026, 23:59.