Seminar: BA AM Regierungslehre (Seminar 3: Ost! Ost! Ostdeutschland!) - Details

Seminar: BA AM Regierungslehre (Seminar 3: Ost! Ost! Ostdeutschland!) - Details

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Allgemeine Informationen

Veranstaltungsname Seminar: BA AM Regierungslehre (Seminar 3: Ost! Ost! Ostdeutschland!)
Untertitel Identitäten, Eliten und Ungleichheiten nach 1989
Semester SoSe 2026
Aktuelle Anzahl der Teilnehmenden 42
maximale Teilnehmendenanzahl 30
Heimat-Einrichtung Regierungslehr und Policyforschung
beteiligte Einrichtungen Politikwissenschaft
Veranstaltungstyp Seminar in der Kategorie Offizielle Lehrveranstaltungen
Nächster Termin Montag, 27.04.2026 12:15 - 13:45, Ort: Seminarraum 23 (Raum 2.01) [LuWu 2]
Voraussetzungen Für einen erfolgreichen Verlauf des Seminars ist eine regelmäßige und aktive Teilnahme sowie die Bereitschaft, sich mit der bereitgestellten Literatur auseinanderzusetzen, nötig.
Lehrsprache(n) Deutsch
SWS 2

Studienbereiche

Modulzuordnungen

Kommentar/Beschreibung

Ach, Ostdeutschland. Wieder einmal spricht man über dich, im Angesicht eines weiteren Superwahljahres, besorgt und mit einer gewissen Faszination für das scheinbar unaufhaltsame: eine Regierungsbeteiligung der Partei, die du so viel größer machst, als sie ist. Genauso wie du dich größer machst, als du bist. Mit deinen 13 Millionen Einwohner*innen ohne Gewicht auf der bundestaatlichen Waage, mit deiner Strukturschwäche auf den Länderfinanzausgleich angewiesen, wirst du trotzdem wie ein Panzer getragen: „Ost! Ost! Ostdeutschland!“ rufen die jungen Männer trotzig in den Fußballstadien und schäumend auf den Straßen der Kleinstädte, in ihrer fragilen Männlichkeit durch die Sichtbarkeit queeren Lebens irritiert.

In dir mischen sich Fakten und Fiktionen: Teile der auf deinem Gebiet geborenen sehen sich gegen ihren Willen in einen Staat gezwungen, der ihnen feindselig und unzureichend zugleich scheint. Gebrochene Biographien, unverheilt, fordern lautstark nach Aufmerksamkeit und Zuwendung, egal wie gut es ihnen geht. Die Erfahrungen von Diktatur und Strukturverlust sind es auch, die weitergegeben werden, mindestens an die Generationen Y und Z, die in der Bundesrepublik Deutschland ihren Platz suchen – und es als schwierig erleben, ihn zu finden. Denn noch immer gilt: Ostdeutsche sind unterrepräsentiert. Keine einzige deutsche Hochschule wird von einem Ostdeutschen geführt (und schon gar nicht von einer Ostdeutschen, sind doch dreiviertel aller Rektor*innen Männer). Nur etwa 9 % der wissenschaftlichen Positionseliten, worunter auch Professor*innen fallen, sind ostdeutsch. Von den 100 größten Unternehmen in Ostdeutschland werden nur 20% von Ostdeutschen geleitet; der Anteil der Ostdeutschen unter den vorsitzenden Richter*innen und Präsident*innen der obersten Gerichte beträgt 5%. Und auch am hiesigen Institut für Politikwissenschaft sind unter den 19 Mitarbeiter*innen lediglich drei, die in oder auf dem Gebiet der ehemaligen DDR geboren wurden.

Wieso das so ist und wer die Schuld daran trägt, darüber streiten deine fremd- und selbsternannten Prophet*innen. Hanebüchenes, wie die These von der Erfindung des Ostens durch den Westen steht Wahrhaftigem, wie der Diagnose eines Freiheitsschocks gegenüber und kann beliebig politisiert werden. Grund genug, einen wissenschaftlichen Blick auf das zu werfen, was dieses Ostdeutschland ist, und was dort passiert.

Diese Lehrveranstaltung dient diesem Zweck, indem sie interdisziplinär nach dem Osten greift und seine Phänomene so verstehbar macht. Neben wissenschaftliche Analysen, die den Kern des Seminars ausmachen, werden persönliche Schicksale und Objekte aus der Popkultur rezipiert, um einen ganzheitlichen Zugang zum Thema zu gewährleisten. Den Beiträgen der Studierenden kommt in dieser Hinsicht eine herausgehobene Rolle zu: Ihre Studienleistungen dienen der Ergänzung der Basistexte, führen tiefer in ein Seminarthema ein oder darüber hinaus und beziehen Stellung zum Gelesenen.

Von Ihnen wird daher eine hohe Bereitschaft zur Vor- und Nachbereitung sowie insbesondere zur Mitarbeit verlangt. Das Modulhandbuch veranschlagt 120 Stunden studentischer Arbeitszeit allein für den Besuch einer der beiden Veranstaltungen des Aufbaumoduls Regierungslehre und Policyforschung. Abzüglich der Sitzungszeit heißt das, dass Vor- und Nachbereitung nicht weniger als 80 Stunden umfassen sollten. Seien Sie sich bei der Wahl dieses Seminars über diesen Anspruch bewusst.

Einführende Literatur:

Ahbe, T. (2004). Die Konstruktion der Ostdeutschen. Diskursive Spannungen, Stereotype und Identitäten seit 1990. Aus Politik und Zeitgeschichte, B(41–42), 12–22.

Baer, H. A. (1998). Crumbling walls and tarnished ideals: an ethnography of East Germany before and after unification. Lanham [Md.] New York Oxford: University press of America.

Ganzenmüller, J. (2025). Lebensweltliche Umbrüche in der Vereinigungsgesellschaft: Die erfahrungsgeschichtliche Dimension der Transformation Ostdeutschlands nach 1990. In J. Ganzenmüller (Hrsg.), Transformationserfahrungen (1. Aufl., S. 11–34). Göttingen: Böhlau Verlag Köln. https://doi.org/10.7788/9783412530983.11

Önder, A. S. (2022). Die Verwestlichung der ostdeutschen Hochschulen. Was die Wende für die ostdeutschen MINT-Fächer bedeutete. die hochschule, 1–2, 124–133.

Anmelderegeln

Diese Veranstaltung gehört zum Anmeldeset "BA AM Regierungslehre (SoSe 2026)".