Seminar: Langeweile und Leidenschaft. Realistisches Erzählen im späten 19. Jahrhundert (do 10-12 Uhr) - Details

Seminar: Langeweile und Leidenschaft. Realistisches Erzählen im späten 19. Jahrhundert (do 10-12 Uhr) - Details

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Allgemeine Informationen

Veranstaltungsname Seminar: Langeweile und Leidenschaft. Realistisches Erzählen im späten 19. Jahrhundert (do 10-12 Uhr)
Semester SoSe 2026
Aktuelle Anzahl der Teilnehmenden 5
maximale Teilnehmendenanzahl 24
Heimat-Einrichtung Germanistisches Institut
Veranstaltungstyp Seminar in der Kategorie Offizielle Lehrveranstaltungen
Nächster Termin Donnerstag, 09.04.2026 10:15 - 11:45, Ort: Seminarraum 21 (Raum E.04) [LuWu 2]
Teilnehmende Modul LA Sek./LA Sek.Fö.: Literaturgeschichte. (17. Jh. bis zur Gegenwart) (5 LP)
Modul BA LA Gymn.: Literaturgeschichte.([17. Jh. bis zur Gegenwart) (10 LP)
Modul BA/LA: Themen, Stoffe und Motive
Modul Master I (LA Gym., 1.und 2. Fach; LA Sek., 1. Fach; LA Fö/Sek.,1. Fach
Modul Master II (LA Gymn. 1. Fach)
Modul Master: Themen, Stoffe, Motive
Modul Master Lit.wiss.: Weltliteratur
Lehrsprache(n) Deutsch
Studiengänge (für) BA DSL 60/90
LA Gymn./LA Sek- u. Förderschule
Masterstudiengänge
SWS 2

Modulzuordnungen

Kommentar/Beschreibung

Dieser Kurs beschäftigt sich mit der Vielfalt realistischen Erzählens im späten 19. Jahrhundert aus komparatistischer Perspektive. Literaturhistorisch setzt sich Realismus einerseits von der ihm vorangehenden Romantik ab, gegen deren Idealisierungen und Sentimentalitäten er opponiert; andererseits dient er den nachfolgenden modernen Erzählweisen als Kontrastfolie. Gegen den naiven Glauben des Realismus, die Wirklichkeit lasse sich literarisch so einfach darstellen, insistiert solch modernes Erzählen auf der subjektiven Verfasstheit unserer Wirklichkeitserfahrung, deren Widerständigkeit und Unverfügbarkeit realistisches Erzählen nicht gerecht werde. Einer auf die Verteidigung anspruchsvoller, ,schwieriger‘ Texte verpflichteten Literaturwissenschaft erschien der Realismus lange als unterkomplex. Gerade der anhaltende Erfolg vieler ,großer‘ realistischer Romane des 19. Jahrhunderts machte die Werke suspekt und Realismus avancierte zum Paradigma eines einseitigen, verengten Literaturverständnisses, das für Werke diesseits und jenseits realistischer Erzählweisen unempfänglich blieb.
Der Kurs geht von der Annahme aus, dass realistisches Erzählen komplexer und vielfältiger ist als diese Voreingenommenheiten suggerieren. Als Einsatz für eine Revision dient die von Fredric Jameson vertretene These, dass der vermeintliche Anspruch des Realismus auf direkte, unvermittelte Darstellung der Wirklichkeit täuscht und realistisches Erzählen durchaus auf vorhergehende Gattungstraditionen zurückgreift wie beispielsweise die Satire, das Melodrama, den Bildungsroman oder den marriage plot und die mit diesen verbundenen Erzählmuster, Stoffe und Stimmungen aktiviert und bearbeitet, so z. B. das satirische Spiel mit Sein und Schein, die melodramatische Dialektik von Langeweile und Leidenschaft, die Untreue und Ehebruch zu so prominenten Themen realistischer Werke machen, der Weg von Idealismus zu Desillusionierung oder die Ablösung von Ambition durch Resignation. Mit Blick auf die Stimmungen und Affekte des Realismus, die in Jamesons Augen zu dessen bisher kaum untersuchten Besonderheiten zählen, ist schließlich die unüberhörbare Ironie als herausragendes Merkmal realistischen Erzählens zu berücksichtigen.
Im Zentrum des Seminars stehen längere Erzählungen und kurze Romane einiger exemplarischer Vertreter des Realismus des späten 19. Jahrhunderts wie Gustave Flaubert, Theodor Fontane, Lew Tolstoj, Henry James und Anton Čechov. Ergänzt werden sie durch ein paar ausgewählte Stimmen von der Peripherie des literarischen Feldes wie z. B. dem Brasilianer Machado de Assis, der Amerikanerin Edith Wharton, der Spanierin Emilia Pardo Bazán, der Österreicherin Marie von Ebner-Eschenbach oder dem Dänen Herman Bang. Außerdem lesen wir sowohl einschlägige ältere Auseinandersetzungen mit den ,Problemen des Realismus‘, wie Georg Lukács es nannte – Henry James, Erich Auerbach und Lukács selbst -- als auch jüngere Forschungsbeiträge, neben Fredric Jameson, zählen hierzu insbesondere Thomas Pavel und Guido Mazzoni.
Voraussetzung für die Teilnahme ist die Bereitschaft zur Lektüre längerer Texte, die Übernahme eines Impulsreferats und einer Sitzungsmoderation sowie regelmäßige und aktive Beteiligung an der Seminardiskussion; zudem sollten Sie in der Lage sein, Forschungsliteratur auf Englisch zu lesen.

Anmelderegeln

Diese Veranstaltung gehört zum Anmeldeset "Beschränkte Teilnehmendenanzahl: Langeweile und Leidenschaft. Realistisches Erzählen im späten 19. Jahrhundert (do 10-12 Uhr)".
Folgende Regeln gelten für die Anmeldung:
  • Es wird eine festgelegte Anzahl von Plätzen in den Veranstaltungen verteilt.
    Die Plätze werden in der Reihenfolge der Anmeldung vergeben.
  • Die Anmeldung ist möglich von 10.03.2026, 10:00 bis 30.04.2026, 23:59.