Seminar: MA: Stoffgeschichten: Das Leben mit Chemiefaser in Bitterfeld-Wolfen - Details

Seminar: MA: Stoffgeschichten: Das Leben mit Chemiefaser in Bitterfeld-Wolfen - Details

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Allgemeine Informationen

Veranstaltungsname Seminar: MA: Stoffgeschichten: Das Leben mit Chemiefaser in Bitterfeld-Wolfen
Veranstaltungsnummer MA_ETRANS
Semester SoSe 2026
Aktuelle Anzahl der Teilnehmenden 8
Heimat-Einrichtung Ethnologie/Kulturvergleichende Soziologie
Veranstaltungstyp Seminar in der Kategorie Offizielle Lehrveranstaltungen
Nächster Termin Montag, 20.04.2026 14:15 - 15:45, Ort: (Reichardtstraße 11, Raum 207)
Lehrsprache(n) Deutsch

Räume und Zeiten

(Reichardtstraße 11, Raum 207)
Montag: 14:15 - 15:45, wöchentlich (13x)

Modulzuordnungen

Kommentar/Beschreibung

Seit Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts ist Bitterfeld-Wolfen einer der wichtigsten Chemiestandorte Deutschlands, an dem, 1934 die erste vollsynthetische Chemiefaser (Polyvinylchlorid-Faser) der Welt entwickelt und produziert wurde. Heute basieren rund 80 % der weltweiten Textilproduktion auf Chemiefasern. Neben Arbeit, Kleidung und Wohl-stand brachte die Chemiefaserindustrie auch Verschmutzung von Boden, Luft und Wasser: Die draußen trocknende Wäsche färbte sich braun, Gesundheitsschäden wurden verzeichnet und mit der Wiedervereinigung Deutschlands wurde das „Bitterfeldsyndrom“ diagnostiziert – eine anthropogene Bodendegradation durch extreme chemische Kontamination. Infolge-dessen muss das Grundwasser unter Bitterfeld-Wolfen auf unabsehbare Zeit gepumpt und gereinigt werden, um die Stadt bewohnbar zu halten.

Ausgehend von der Wolfener Chemiefaser(produktion) hat das Studienprojekt zum Ziel, Potenziale einer nicht anthropozentrischen Ethnographie für die Erforschung von Mensch-Umwelt-Beziehungen im Spätindustrialismus auszuloten. Die Faser dient als Einstieg für eine Chemoethnographie, die zur Erforschung unterschiedlicher thematischer Aspekte führt. Umwelt- und Industriegeschichten befassen sich mit ökonomischen, sozialen und ökologischen Folgen der Textilindustrie. Fürsorge- und Zukunftsgeschichten untersuchen Auseinandersetzungen mit den toxischen Folgen sowie Zukunftsvisionen und Formationen nachhaltiger (Um)Welten. Transformations- und Alltagsgeschichten analysieren historische und gegenwärtige sozio-ökologische Bedingungen des nicht nur menschlichen Zusammenlebens und fragen nach Voraussetzungen für gesellschaftliche Teilhabe sowie nach den "arts of living in a damaged planet". Die Geschichten thematisieren lokale Belange, aber auch translokale sozio-ökologische Verflechtungen, etwa post-koloniale (und postsozialistische) Machthierarchien sowie Ungleichheiten und Solidaritäten des (grünen) Kapitalismus.

Das Seminar ist ein Teil einer Lehrforschung, die beide Seminare des ETRANS-Moduls umfasst und im Modus forschendes Lernen durchgeführt wird: Studierende führen Gruppenforschungen durch, die eine selbst gewählte Geschichte der Chemiefaser fokussieren.
Literaturempfehlung:
Modulleistung: Hausarbeit (Portfolio)
Besonderheiten: In diesem Seminar werden nicht nur akademische und textliche Ergebnisse angestrebt.