Seminar: [MA-MII] Eugenik und "Euthanasie" im Nationalsozialismus - Forschungsprobleme und Forschungskontroversen - Details

Seminar: [MA-MII] Eugenik und "Euthanasie" im Nationalsozialismus - Forschungsprobleme und Forschungskontroversen - Details

Allgemeine Informationen

Veranstaltungsname Seminar: [MA-MII] Eugenik und "Euthanasie" im Nationalsozialismus - Forschungsprobleme und Forschungskontroversen
Semester SoSe 2026
Aktuelle Anzahl der Teilnehmenden 14
erwartete Teilnehmendenzahl 20
Heimateinrichtung Leitung des Instituts für Geschichte
Veranstaltungstyp Seminar in der Kategorie Offizielle Lehrveranstaltungen
Erster Termin Freitag, 10.04.26, 10:00 - 12:00 Uhr Seminarraum 18 (Raum 1.11) [LuWu 2]
Lehrsprache(n) Deutsch

Modulzuordnungen

Kommentar/Beschreibung

Zwischen 1933 und 1945 wurden im Deutschen Reich mehr als 300.00 Menschen ohne deren Einwilligung sterilisiert. Während des Zweiten Weltkrieges wurden zudem weit mehr als 200.000 psychisch kranke und geistig behinderte Menschen getötet – zunächst in einer zentral gesteuerten „Aktion“ in sechs dafür auserkorenen Mordzentren, anschließend in regionaler und lokaler Verantwortung in zahlreichen Heil- und Pflegeanstalten. Über den ganzen Zweiten Weltkrieg lief darüber hinaus in den sogenannten Kinderfachabteilungen die „Euthanasie“ an Säuglingen, Kindern und Jugendlichen, mit schätzungsweise bis zu 10.000 Todesopfern.

In dieser Veranstaltung werden wir uns mit den zentralen Forschungskontroversen zur ideengeschichtlichen Verortung, zur praktischen Umsetzung und zu den Folgen dieser Medizinverbrechen beschäftigen. Während die Medizingeschichte die Geschichte der NS-Krankenmorde an einzelnen Tatorten seit den 1980er Jahren intensiv erforscht, nimmt dieser Verbrechenskomplex in der Zeitgeschichtsschreibung bis heute eine eher randständige Rolle ein. Ziel dieses Seminars ist es, medizinhistorische und zeithistorische Forschungsperspektiven zusammenzuführen und ihre Erkenntnispotentiale zu reflektieren.

Neben der Vermittlung von Grundlagenwissen über die NS-Krankenmorde gibt die Veranstaltung Einblick in ältere und aktuelle Forschungskontroversen im Themenfeld NS-Psychiatrie und setzt sich zugleich mit den unterschiedlichen Zugangsweisen von Medizin- und Zeitgeschichte auseinander. Die Teilnehmenden sollen dazu befähigt werden, Forschungskontroversen zu erkennen, sie zu historisieren und in eigenen Texten kritisch zu reflektieren. Durch diese Beschäftigung mit Forschungsproblemen und Forschungskontroversen in der NS-Geschichte wird zugleich deutlich werden, welche neuen Perspektiven sich aus einer engeren Verzahnung von Medizingeschichte mit der Ideen-, Politik-, Verwaltungs- und Alltagsgeschichte der NS-Verbrechen ergeben.

Teil des Seminars wird der Besuch der Gedenkstätte Bernburg sein. Diese ganztägige Exkursion wird am 29. Mai 2026 stattfinden.

Literaturempfehlung: Dagmar Herzog: Eugenische Phantasmen. Eine deutsche Geschichte, Frankfurt am Main 2024; Cornelia Brink: Grenzen der Anstalt. Psychiatrie und Gesellschaft in Deutschland 1860-1980, Göttingen 2010; Ulrich Herbert: Das Dritte Reich. Geschichte einer Diktatur, München 2016; Dietmar Süß: „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“. Die deutsche Gesellschaft im Dritten Reich, München 2017; Christoph Schneider: Hadamar von innen. Überlebendenzeugnisse und Angehörigenberichte, Berlin 2020; Norbert Frei (Hg.): Medizin und Gesundheitspolitik in der NS-Zeit, München 2009.

Modulleistung: 4 Essays. Vorausgesetzt wird die Bereitschaft der Studierenden, ihre Essays im Seminar mit den anderen Studierenden zu diskutieren. Die Essays werden vom Dozenten zudem ausführlich kommentiert und benotet.

Studienleistung: Regelmäßige aktive Mitarbeit. Von den teilnehmenden Studierenden wird erwartet, dass sie die für jeden Termin bereitgestellte Vorbereitungsliteratur so durcharbeiten, dass sie sich aktiv an den Diskussionen im Seminar beteiligen können.