Seminar: [BA-EV] Das Schärfste Schwert des Kaisers? Der Reichshofrat zwischen Rechtsorgan und Machtinstrument - Details

Seminar: [BA-EV] Das Schärfste Schwert des Kaisers? Der Reichshofrat zwischen Rechtsorgan und Machtinstrument - Details

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Allgemeine Informationen

Veranstaltungsname Seminar: [BA-EV] Das Schärfste Schwert des Kaisers? Der Reichshofrat zwischen Rechtsorgan und Machtinstrument
Semester SoSe 2026
Aktuelle Anzahl der Teilnehmenden 15
maximale Teilnehmendenanzahl 30
Heimat-Einrichtung Leitung des Instituts für Geschichte
Veranstaltungstyp Seminar in der Kategorie Offizielle Lehrveranstaltungen
Nächster Termin Donnerstag, 04.06.2026 10:00 - 12:00, Ort: Seminarraum 7 (R.1.32) [EA 26-27]
Leistungsnachweis Modulleistung: Hausarbeit

Studienleistung: Erwartet wird die aktive Beteiligung im Seminar, die auch durch regelmäßige Anwesenheit und Mitwirkung an den Diskussionen nachgewiesen wird. Im Rahmen des Seminars erarbeiten wir ein Konzeptpapier und eine Bibliografie für die Hausarbeit. In einzelnen Sitzungen werden Essays zu den Seminartexten und Quellen erarbeitet, die als Diskussionsgrundlage dienen sollen.
Lehrsprache(n) Deutsch
SWS 2

Modulzuordnungen

Kommentar/Beschreibung

Seit den 1960er Jahren betonen erhebliche Teile der Forschung die Bedeutung der beiden höchsten Reichsgerichte – des Reichshofrats und des Reichskammergerichts – für die Entstehung eines gemeinsamen Rechtsraums in Deutschland ebenso wie für die Verfestigung und Stabilisierung der Reichsverfassung. Insbesondere die Zeit vom Westfälischen Frieden 1648 bis zum Österreichischen Erbfolgekrieg (1740–1748) gilt als eine Phase der Stabilisierung durch Rechtsnormen im Reich.
Diese Einschätzung verbindet sich mit dem Postulat des Wiederaufstiegs des habsburgischen Kaisertums nach 1648 durch die Nutzung des Rechts. Mithin gilt speziell der Reichshofrat, als das schärfste Schwert des Kaisers im Reich, mit dem er seine Interessen gegenüber den mächtiger werdenden Territorialfürsten zu behaupten vermochte.

Diese Deutung ist allerdings nicht unumstritten. Widerspruch formiert sich anhand verschiedener Problemlagen: Konnte sich der Kaiser mit seinen Urteilen gegen alle Reichsfürsten gleichermaßen durchsetzen oder bildete sich nicht zumindest eine Mehrklassenjustiz heraus? Wenn ja, mit welchen Mitteln setzte das Gericht seine Urteile durch? Welchen Stellenwert nahm der Reichshofrat dabei überhaupt ein? Und wie unabhängig konnte ein Gericht agieren, welches der politischen Prerogative eines Kaisers unterlag? Zu fragen gilt es auch, wer an diesen Gerichten eigentlich Recht sprach, welcher Rechtsgrundlagen sich seine Richter bedienten und nach welchen Verfahren geurteilt wurde. Nicht zuletzt stellt sich zudem die Frage, wie sich der Dualismus zweier gleichberechtigter Obergerichte auf die Akzeptanz von deren Urteilen auswirkte.

Im Seminar soll an diese Debatten angeknüpft werden. Unter Hinzuziehung der einschlägigen Forschungspositionen und der Nutzung edierter Quellen soll im Laufe des Seminars zunächst diskutiert werden, wie die Prozessgänge und die Urteilsfindung an frühneuzeitlichen Gerichten überhaupt aussahen. Im zweiten Teil des Seminars werden wir die Durchsetzungsfähigkeit des Reichshofrates anhand konkreter Fälle untersuchen.
Dies kann uns eine abschließende Bilanz ermöglichen: Wie scharf war das schärfste Schwert des Kaisers tatsächlich? Und was lässt sich daraus über das Zusammenwirken von Recht und Politik unter frühneuzeitlichen Bedingungen lernen?

Literaturhinweise:
Matthias Schnettger: Kaiser und Reich. Eine Verfassungsgeschichte (1500-1806), Stuttgart 2020.
Wolfgang Sellert: Der Reichshofrat, in: B. Diestelkamp (Hg.), Oberste Gerichtsbarkeit und zentrale Gewalt im Europa der frühen Neuzeit (= Quellen und Forschungen zur höchsten Gerichtsbarkeit im alten Reich, hg. v. F. Battenberg, B. Diestelkamp, U. Eisenhardt, G. Gudian, A. Laufs und W. Sellert, Bd. 29), Köln/Weimar/Wien 1990, S. 15-44.
Ders.: Reichshofrat und Reichskammergericht. Ein Konkurrenzverhältnis (= Quellen und Forschungen zur höchsten Gerichtsbarkeit im Alten Reich, hg. v. B. Diestelkamp, U. Eisenhardt, G. Gudian, A. Laufs und W. Sellert, Bd. 34), Köln/ Weimar/Wien 1999.
Anja Amend-Traut/Ignacio Czeguhn/Peter Oestmann (Hrsg.): Urteiler, Richter, Spruchkörper. Entscheidungsfindung und Entscheidungsmechanismen in der Europäischen Rechtskultur (Quellen und Forschungen zur höchsten Gerichtsbarkeit im Alten Reich, Bd. 75), Köln/Weimar/Wien 2021.

Anmelderegeln

Diese Veranstaltung gehört zum Anmeldeset "BA-EV SoSe 2026".
Folgende Regeln gelten für die Anmeldung:
  • Die Anmeldung ist möglich von 09.03.2026, 00:00 bis 12.04.2026, 23:59.
  • Diese Regel gilt von 09.03.2026 10:00 bis 12.04.2026 00:00.
    Die Anmeldung zu maximal 1 Veranstaltungen des Anmeldesets ist erlaubt.
  • Es wird eine festgelegte Anzahl von Plätzen in den Veranstaltungen verteilt.
    Die Plätze werden in der Reihenfolge der Anmeldung vergeben.
Veranstaltungszuordnung: