Seminar: [MA-MI] "Kolonisierung"- "Ökonomie der Angst" - "Generation Hoyerswerda": Quellen zur ostdeutschen Transformationsgesellschaft - Details

Seminar: [MA-MI] "Kolonisierung"- "Ökonomie der Angst" - "Generation Hoyerswerda": Quellen zur ostdeutschen Transformationsgesellschaft - Details

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General information

Course name Seminar: [MA-MI] "Kolonisierung"- "Ökonomie der Angst" - "Generation Hoyerswerda": Quellen zur ostdeutschen Transformationsgesellschaft
Semester SoSe 2026
Current number of participants 15
expected number of participants 20
Home institute Leitung des Instituts für Geschichte
Courses type Seminar in category Offizielle Lehrveranstaltungen
Next date Friday, 17.04.2026 10:00 - 12:00, Room: Seminarraum 12 (R.2.40) [EA 26-27]
Lehrsprache(n) Deutsch

Module assignments

Comment/Description

„Die Ostdeutschen“ seien eine Erfindung der Westdeutschen, meint der Leipziger Literaturwissenschaftler Dirk Oschmann. „Die Ostdeutschen“ seien veränderungsmüde, meinen andere: Sie seien in der gesellschaftlichen Transformation nach 1990 so durchgerüttelt worden, dass sie sich nun einfach nach Ruhe sehnten. „Die“ heute etwa 50 Jahre alten „Ostdeutschen“ gehörten zu einer „Generation Hoyerswerda“, d.h. seien geprägt durch die fremdenfeindliche Gewalt in ihrer Jugend (sei es als deren Täter, sei es als Zuschauer oder Opfer), behaupten Dritte.
Wenn die Gegenwart der östlichen Bundesländer erklärt werden soll, wird also sowohl gerne wie auch in sehr unterschiedlicher Weise darauf verwiesen, dass ein Großteil der in dieser Region lebenden Menschen mittleren oder höheren Alters in den 1990er Jahren einschneidende Erfahrungen gemacht hätten. Erfahrungen, die ihre Werthaltungen, Meinungen, Gefühle und Bedürfnisse bis heute prägten.
In diesem Seminar wollen wir anhand verschiedener Quellensorten aus den 1990er Jahren recherchieren, welche Erfahrungen „die Ostdeutschen“ (Wer mags das eigentlich konkret sein?) wohl in den 1990er Jahren gemacht haben könnten. Wir befragen zeitgenössische Dokumentarfilme, Zeitungsberichte, Parlamentsdebatten und Unterlagen parlamentarischer Untersuchungsausschüsse, in den 1990er Jahre publizierte sozialwissenschaftliche Analysen der Transformation und die Transkripte lebensgeschichtlicher Interviews daraufhin, welche Erfahrungen hier wie sichtbar werden. Die thematischen Schwerpunkte liegen bei den Umbrucherfahrungen im Berufsleben einerseits, den Gewalterfahrungen der „Baseballschlägerjahre“ andererseits.
Am Ende sollten wir diese Fragen begründeter beantworten können als zu Beginn des Seminars: Ist es plausibel, mit den Transformationserfahrungen der 1990er Jahre etwas in der Gegenwart zu erklären? Wenn ja – was denn genau und wie? Wenn nein – warum machen es dann einige Gegenwartsdeuter?

Studienleistung: Ich erwarte von Ihnen die Vorbereitung der Sitzungen durch Lektüre der jeweils bereitgestellten Literatur und Quellen. Für einige Sitzungen verfassen Sie jeweils Thesenpapiere. Gegen Ende der Vorlesungszeit verfassen Sie ein Exposee für Ihre Modulleistung.

Modulleistung: Im Masterstudium schreiben Sie eine Hausarbeit, in den Lehramtsstudiengängen absolvieren Sie eine mündliche Prüfung.

Wenn Sie sich auf das Seminar sinnvoll vorbereiten wollen, empfehle ich Ihnen die Lektüre von: Steffen Mau, Lütten Klein. Leben in der ostdeutschen Transformationsgesellschaft, Berlin 2019 [als Online-Ressource in unserer Bibliothek abrufbar]