Seminar: [BA-MH] Briefkultur im 19. Jahrhundert - Details

Seminar: [BA-MH] Briefkultur im 19. Jahrhundert - Details

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General information

Course name Seminar: [BA-MH] Briefkultur im 19. Jahrhundert
Semester SoSe 2026
Current number of participants 10
expected number of participants 20
Home institute Leitung des Instituts für Geschichte
Courses type Seminar in category Offizielle Lehrveranstaltungen
Next date Thursday, 04.06.2026 16:00 - 18:00, Room: Seminarraum 7 (R.1.32) [EA 26-27]
Lehrsprache(n) Deutsch

Module assignments

Comment/Description

Briefe faszinieren uns, weil sie Unmittelbarkeit und Nähe versprechen. Wer (historische) Briefe oder ganze Korrespondenzen liest, hofft zuweilen, einem Gespräch von Abwesenden zu lauschen oder dem „authentischen“ Menschen zu begegnen – seinen Gefühlen, Überzeugungen ebenso wie seinen Widersprüchen und Konflikten. Allein von Otto von Bismarck gab es darum schon in den 1960er Jahren 38 Briefeditionen, etliche davon bereits zu dessen Lebzeiten publiziert, manche auch übersetzt, und alle mit dem Versprechen beladen, hier dieser undurchsichtigen und vielschichtigen Persönlichkeit auf die Spur zu kommen.
Tatsächlich war das 19. Jahrhundert ja auch eine Hochphase der Briefkultur: Kaum ein anderes Medium strukturierte private Beziehungen, politische Kommunikation, religiöse Netzwerke und wissenschaftlichen Austausch so nachhaltig. Gleichzeitig war diese Kommunikationspraxis bei aller vermeintlichen Individualität und Intimität aber auch abhängig von einem sich rasant wandelnden Postsystem, war festen Normen und Schreibkonventionen unterworfen, und nicht selten zielte sie ohnehin auf ein mitlesendes oder gar späteres Publikum.
Angesichts dieser Ambivalenz und der oft genug bewirtschafteten Erwartungen an Unmittelbarkeit und Authentizität will das Seminar den Brief als spezifische Quelle in den Blick nehmen und unseren Zugang zur „Briefkultur“ des 19. Jahrhunderts reflektieren: Was also zeichnete einen Brief aus? Welche Rolle spielten kulturelle Konventionen, Normen und Schreibpraktiken? Was waren Briefsteller und was bedeute die Postpraxis für die Kommunikation? Und schließlich: wie verändern eigentlich Archivierung und Edition unseren Blick auf diesen historischen Kommunikationsakt?
Wir werden Fragen dieser Art anhand von berühmten (und berüchtigten) Brautbriefen diskutieren, werden uns mit den überseeischen Kommunikationsnetzen evangelischer Missionare und katholischer Missionsschwestern auseinandersetzen, Feldpostbriefe analysieren und uns Gedanken über die Bedeutung machen, die bis heute der Korrespondenz von (zumeist männlichen) Historikern beigemessen wird.
Wer mit Briefen arbeiten will, muß diese auch lesen können. Das Seminar ist darum auch als Einführung in die Paläographie des 19. Jahrhunderts angelegt. In praktischen Übungen erwerben die Teilnehmenden grundlegende Lesefähigkeiten in Kurrentschrift und lernen, handschriftliche Briefe eigenständig zu transkribieren. Vorkenntnisse sind hierfür nicht erforderlich, wohl aber die Bereitschaft zur kontinuierlichen Vorbereitung der Briefe.

### bitte beachten Sie: das Seminar wird erst am 16.04. beginnen! ###

Studienleistung: regelmäßige Transkriptionen; Vorstellung und Diskussion eines Briefes
Modulleistung: kumulative Hausarbeit / mündliche Prüfung

Literatur:
Baasner, Rainer: „Briefkultur im 19. Jahrhundert. Kommunikation, Konvention, Postpraxis“ (Einführung), in: Ders. (Hg.): Briefkultur im 19. Jahrhundert, Tübingen 1999, S. 1–36.

Matthews-Schlinzig, Marie Isabel u.a. (Hg.): Handbuch Brief. Von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, 2 Bde., Berlin, Boston 2020.

Krüger, Christine G./ Meifort, Franziska/Witkowski Mareike (Hg.): Korrespondenzen aus der Vergangenheit : Briefe als historische Quellen, Göttingen 2025.