Seminar: Verschüttung der Orchestra: Aristotelisches und nicht-aristotelisches Theater (di 10-12 Uhr) - Details

Seminar: Verschüttung der Orchestra: Aristotelisches und nicht-aristotelisches Theater (di 10-12 Uhr) - Details

Allgemeine Informationen

Veranstaltungsname Seminar: Verschüttung der Orchestra: Aristotelisches und nicht-aristotelisches Theater (di 10-12 Uhr)
Semester SoSe 2026
Aktuelle Anzahl der Teilnehmenden 13
maximale Teilnehmendenzahl 24
Heimateinrichtung Germanistisches Institut
Veranstaltungstyp Seminar in der Kategorie Offizielle Lehrveranstaltungen
Erster Termin Dienstag, 07.04.26, 10:15 - 11:45 Uhr Hörsaal G [Mel]
Teilnehmende Modul LA Sek./LA Sek.Fö.: Literaturgeschichte. (17. Jh. bis zur Gegenwart) (5 LP)
Modul B.A./LA Gymn.: Literaturgeschichte. (17. Jh. bis zur Gegenwart) (10 LP)
Modul LA Sek./LA Sek.Fö.: Literatur- und Gattungstheorie (5 LP – FSQ integrativ)
Modul B.A./LA Gymn.: Literatur- und Gattungstheorie (10 LP – FSQ integrativ)
Lehrsprache(n) Deutsch
Studiengänge (für) BA DSL 60/90
LA Gymn./LA Sek- u. Förderschule
SWS 2

Räume und Zeiten

Hörsaal G [Mel]

  • Dienstag, 10:15 - 11:45, Wöchentlich (ab dem 07.04.26)

Modulzuordnungen

Kommentar/Beschreibung

„Worum es heute im Theater geht, läßt sich genauer mit Beziehung auf die Bühne als auf das Drama bestimmen. Es geht um die Verschüttung der Orchestra. Der Abgrund, der die Spieler vom Publikum wie die Toten von den Lebendigen scheidet […], dieser Abgrund, der unter allen Elementen der Bühne die Spuren ihres sakralen Ursprungs am unverwischbarsten trägt, ist funktionslos geworden.“ (Walter Benjamin, „Was ist das epische Theater? [Erste Version]“)

Mit diesen Worten leitete Walter Benjamin 1931 seine Beobachtungen zum Wandel des zeitgenössischen Theaters ein. Seine Formel von der „Verschüttung der Orchestra“ markiert die Abkehr von einer an Aristoteles geschulten Dramaturgie, die das Drama als mimesis (Nachahmung oder Repräsentation) einer guten und in sich geschlossenen Handlung (mythos) bestimmt und auf die Auslösung bzw. Reinigung (katharsis) bestimmter Affekte ausgerichtet ist. Wenn Benjamin den „Abgrund“ zwischen Bühne und Publikum nun für funktionslos erklärt, verweist dies auf eine tiefgreifende Neuordnung der Theaterform, die nicht nur das Drama, sondern auch die räumliche und institutionelle Struktur des Theaters betrifft.
Was mit diesem Rätselwort gemeint ist und welche Gestalt eine solche Abkehr annehmen kann, ist damit jedoch noch nicht entschieden. Handelt es sich bei Benjamins Überlegungen zwar erklärtermaßen um „Eine Studie zu Brecht“ (so der Untertitel), so lässt sich die darin angesprochene Aufhebung des Grabens zwischen Bühne und Publikum ebenso für andere avantgardistische Theaterentwürfe der Zeit in Anschlag nehmen – allen voran Antonin Artauds „Theater der Grausamkeit“. Trotz ihrer gegensätzlichen ästhetischen Programme (wo Brecht auf Verfremdung und Distanzierung setzt, fordert Artaud rückhaltloses Aufgehen in sinnlichen Intensitäten) lassen sich beide Entwürfe als unterschiedliche Antworten auf die von Benjamin diagnostizierte Krise der aristotelischen Dramaturgie lesen.

Das Seminar setzt an Benjamins Beobachtung an, um diese unterschiedlichen Möglichkeiten einer Abkehr von der aristotelischen Dramatik zu analysieren. In einem ersten Schritt werden dabei zentrale Begriffe der aristotelischen Poetik sowie ihrer Rezeption in der neuzeitlichen Dramaturgie schlaglichtartig problematisiert. Vor diesem Hintergrund untersuchen wir anschließend die Theaterkonzepte Brechts und Artauds und fragen, in welcher Weise sie mit dieser Tradition brechen oder sie transformieren. Die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Konzepten wird dabei immer auch anhand ausgewählter Dramen stattfinden; ein Theaterbesuch im Laufe des Semesters ist geplant.

Zur Anschaffung empfohlen:
Aristoteles: Poetik. Griechisch/Deutsch. Übers. u. hg. v. Manfred Fuhrmann. Stuttgart: Reclam 1982.

Anmelderegeln

Diese Veranstaltung gehört zum Anmeldeset "Beschränkte Teilnehmendenanzahl: Anti-aristotelisches Theater (di 10-12 Uhr)".
Folgende Regeln gelten für die Anmeldung:
  • Es wird eine festgelegte Anzahl von Plätzen in den Veranstaltungen verteilt.
    Die Plätze werden in der Reihenfolge der Anmeldung vergeben.
  • Die Anmeldung ist möglich von 10.03.2026, 10:00 bis 30.04.2026, 23:59.