Vorlesung: [BA-EM/MA-MI] Die Auflösung der europäischen Kolonialreiche und die Genese einer "Dritten Welt" nach 1945. - Details

Vorlesung: [BA-EM/MA-MI] Die Auflösung der europäischen Kolonialreiche und die Genese einer "Dritten Welt" nach 1945. - Details

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Allgemeine Informationen

Veranstaltungsname Vorlesung: [BA-EM/MA-MI] Die Auflösung der europäischen Kolonialreiche und die Genese einer "Dritten Welt" nach 1945.
Semester SoSe 2026
Aktuelle Anzahl der Teilnehmenden 186
erwartete Teilnehmendenanzahl 160
Heimat-Einrichtung Leitung des Instituts für Geschichte
Veranstaltungstyp Vorlesung in der Kategorie Offizielle Lehrveranstaltungen
Nächster Termin Donnerstag, 16.04.2026 10:00 - 12:00, Ort: Hörsaal IV [LuWu 2] (A.W. Amo)
Lehrsprache(n) Deutsch

Modulzuordnungen

Kommentar/Beschreibung

Am 8. Mai 1945, als in Europa die Wehrmacht kapitulierte, massakrierten im algerischen Sétif französische Soldaten Demonstranten, die für ihre Gleichberechtigung in der Kolonie bzw. deren Unabhängigkeit auf die Straße gegangen waren. Als dann im vergangenen Jahr der 80. Jahrestag des Weltkriegsendes gefeiert wurde, spielte das Gedenken an solche Ereignisse keine Rolle: Die Europäer konzentrierten sich wieder einmal ganz auf sich und feierten den 8. Mai, als markiere dieser Tag das Ende eines innereuropäischen Krieges (na gut: mit amerikanischer Beteiligung). Aber dieser Krieg war auch von Soldaten aus den französischen, belgischen und britischen Kolonien in Afrika sowie aus Britisch-Indien geführt worden – und mit seinem Ende begann hier ein Prozess der Befreiung aus kolonialer Herrschaft.
In diesem Prozess entstand die heutige Ordnung des „globalen Südens“, d.h. eine Vielzahl von Staaten, die zwar auf der Bühne internationaler Politik als souverän anerkannt und (abstrakt völkerrechtlich) mit den Staaten des „globalen Nordens“ gleichgestellt wurden, aber wirtschaftlich häufig in „neokolonialen“ Abhängigkeiten gefangen blieben und sich innenpolitisch schwer damit taten, ihre Bevölkerungen in Nationen zu verwandeln. Und deren Regierungen zum Erstaunen westlicher Politiker heute wenig mit deren Vorstellungen einer „regelbasierten internationalen Ordnung“ anfangen können, weil sie mutmaßen, der „globale Norden“ könnte damit eine ausschließlich nach seinen Interessen gestaltete Ordnung meinen.
Die Auseinandersetzung mit der Zeitgeschichte, so hat es der Historiker Hans-Günther Hockerts formuliert, dient einem besseren Verständnis der Vorgeschichte(n) unserer Gegenwart. In diesem Sinne wird diese Vorlesung die Auflösung der europäischen Kolonialreiche in Afrika und Asien und die hieraus entstehenden neuen Staaten untersuchen. Sie fragt zunächst, warum die Entkolonialisierung mal gewaltarm, mal kriegerisch von statten ging und wer sie eigentlich aus welchen Motiven und Erwartungen heraus vorantrieb oder verzögerte. Im nächsten Schritt analysiert die Vorlesung die Entwicklung ausgewählter postkolonialer Gesellschaften und fragt danach, inwiefern diese von Strukturen geprägt blieben, die in der Kolonialzeit entstanden waren bzw. von neuen Abhängigkeiten gegenüber der früheren Kolonialmacht („Neokolonialismus“) – oder inwiefern ihnen die Ablösung von solchen Strukturen gelang bzw. welche Versuche hierzu sie unternahmen.

Als vorbereitende Lektüre empfehle ich Ihnen: Eric Hobsbawm, Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts, 8. Auflage München 2007, S. 253 – 281 und Wolfgang Reinhard, Die Unterwerfung der Welt. Globalgeschichte der europäischen Expansion 1415 – 2015, München 2016, S. 1097 – 1251.

Studienleistung: Falls Sie im Rahmen dieser Vorlesung die geforderte Studienleistung im BA Einführungsmodul Moderne oder im MA Modul Moderne I erbringen wollen, können Sie dies nach Ende der Vorlesungszeit in Form eines Testes tun. Hierzu werde ich Ihnen zwei Termine anbieten.

Lehramtsstudierenden, die im Herbst 2026 die Staatsexamensklausur im Bereich Zeitgeschichte schreiben wollen, kann die Vorlesung zur Vorbereitung auf diese dienen.