Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Vorlesungsverzeichnis (WS 2018/19)
Job im ITZ
Abteilung Historische Hilfswissenschaften (WS 2018/19) 7 Veranstaltungen
Nr. Titel Typ Lehrende
(BA-B) Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten/Europa im 13. Jahrhundert Veranstaltungsdetails Di. 16:00 - 17:00 (wöchentlich) - Tutorium, Ort: (Institut für Geschichte, Besprechungsraum 1.06.0 EA 27), Mi. 16:00 - 17:00 (wöchentlich) - Tutorium, Ort: (Institut für Geschichte, Besprechungsraum 1.06.0 EA 27), Fr. 08:00 - 10:00 (wöchentlich) - Grundkurs, Ort: Seminarraum 23 A (Raum 2.02) [LuWu 2], Fr. 10:00 - 12:00 (wöchentlich) - Übung, Ort: Seminarraum 23 A (Raum 2.02) [LuWu 2]

Der Grundkurs und die Übung bilden zusammen mit der Vorlesung das einführende Basismodul für den Studiengang BA Geschichte (60, 90, 120 und Lehramt). Schwerpunkte im Grundkurs sind die Klärung zentraler Begriffe, die Einführung in wesentliche Arbeitsmaterialien und wichtiger Arbeitsorte der HistorikerInnen, ein Überblick über Techniken der Informationserschließung und -aneignung und eine erste Einführung in Methoden der Bearbeitung einer wissenschaftlichen Fragestellung. Die Übung unterstützt den Kurs durch die praktische Anwendung der vermittelten theoretischen Kenntnisse.

Seminar Dr. Monika Lücke,
Philipp Jung
(BA-T) Die Konstruktion historischen Wissens: historische Grundwissenschaften und historisch-sozialwissenschaftliche Methoden Veranstaltungsdetails Di. 10:00 - 12:00 (wöchentlich), Ort: Hörsaal XIII [Löw], Di. 10:00 - 12:00 (wöchentlich), Ort: Seminarraum 15 (Raum K.01) [EA 25]

Historische Grundwissenschaften und historisch-sozialwissenschaftliche Methoden haben viel gemeinsam. Historische Hilfs- oder Grundwissenschaften sind nach H.-W. Goetz „Disziplinen, die grundlegende Vorklärungen im Rahmen der Quellenkritik ermöglichen und damit die wissenschaftliche Bearbeitung der Quellen erst gewährleisten.“ Mit anderen Worten: Unter welchen Bedingungen kommen wir von einer Quelle zu einer Aussage, die sich auf diese Quelle stützt? Historisch-sozialwissenschaftliche Methoden haben ebenfalls ihre Grundlage in der Frage, wie man von einer konkreten Beobachtung zu einer inhaltlichen Aussage kommt. Sie schließen auch formale datenanalytische Methoden mit ein. Der historisch-grundwissenschaftliche Teil dieser gemeinsamen Vorlesung wird von Prof. Klaus Krüger gehalten. Er bietet einen Überblick über die klassischen Hilfswissenschaften (Chronologie, Aktenkunde u.a.). Der historisch-sozialwissenschaftliche Teil wird von Dr. Katrin Moeller im Computerpool gehalten. Diese Sitzungen werden die zentralen Themen des grundwissenschaftlichen Teils wieder aufgreifen - z.B. werden Fragen der Genealogie aus Sicht moderner Datenbanksysteme betrachtet oder Fragen der Chronologie mit der Bildung und Analyse von Zeitreihen verknüpft. Die Vorlesung sollte zusammen mit einem Seminar im Modul "Theorie und Methoden" besucht werden.

Erwartete Studienleistung: Bearbeitung von praktischen Aufgaben und Übungen.
Anmelderegeln
Diese Veranstaltung gehört zum Anmeldeset "Anmeldezeitraum: (BA-T) Konstruktion historischen Wissens: historische Grundwissenschaften und historisch- sozialwissenchaftliche Methoden.".

Vorlesung Prof. Dr. Klaus Krüger,
Dr. Katrin Moeller
(BA-B) Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten/Die Stadt im späten Mittelalter Veranstaltungsdetails Di. 18:00 - 20:00 (wöchentlich) - Tutorium, Ort: Seminarraum 6 (Raum E.62) [EA 26-27], Do. 10:00 - 12:00 (wöchentlich) - Grundkurs , Ort: Seminarraum 8 (Raum 2.35) [EA 26-27], Do. 12:00 - 14:00 (wöchentlich) - Übung, Ort: Seminarraum 8 (Raum 2.35) [EA 26-27], Termine am Donnerstag. 01.11. 08:15 - 09:45, Ort: (Bibliotheksführung Ha18 (Steintor))

Die spätmittelalterliche Stadt als "Insel stadtbürgerlicher Freiheit und Gleichheit inmitten einer herrschaftlich geordneten, auf Bindung und Ungleichheit ausgerichteten agrarisch-feudalen Umwelt" (Isenmann) hat eine Fülle eigenständigen Quellenmaterials hervorgebracht: Privilegien und Stadtrechte, Stadtbücher und -rechnungen, städtische Geschichtsschreibung und andere Quellen zur Selbstdarstellung von Rat, Zünften und Bruderschaften sollen anhand von Beispielen vor allem aus Augsburg, Nürnberg, Köln und Lübeck gelesen, übersetzt und ausgewertet werden, um so Rückschlüsse auf Stadt- und Bürgerrecht, unterschiedliche Stadttypen, Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Stadt und Geistlichkeit, städtische Selbstverwaltung und innerstädtische Interessenkonflikte ziehen zu können.

Seminar Prof. Dr. Klaus Krüger
(MA-nVII-VII-TA-TB) Was war die Hanse? Veranstaltungsdetails Mo. 16:00 - 18:00 (wöchentlich), Ort: Seminarraum 10 (Raum 2.37) [EA 26-27]

Die Frage zu stellen, "was denn die Hanse war", ist stets geeignet, auf den Tagungen des Hansischen Geschichtsvereins heftige Reaktionen auszulösen, die von Erbitterung bis Heiterkeit reichen können; immerhin bringt sie in den einführenden Überblicksdarstellungen, die zumeist "Die Hanse" betitelt sind, schöne Einführungskapitel hervor. Vgl. zuletzt Henn, Was war die Hanse? und Hammel-Kiesow, Die Hanse ("Was war die Hanse?", S. 10-13).

Einer der letzten Ansätze wendet auf die Hanse das Bild des Netzes an: Was in der kulturgeschichtlichen Diskussion der siebziger und achtziger Jahre die Begriffe "Struktur" und "System" waren, ist heute das "Netz". Vernetzte Systeme werden allenthalben ausgemacht, der Forscher selbst findet sich eingebunden in personelle Netzwerke, nicht zuletzt recherchiert und publiziert er selbst "im Netz."

Dem Bild des Netzes eignet die Ambivalenz des Festen und zugleich Losen: die Stränge eines Netzes sind fest ineinander verflochten, ihre Kreuzungsstellen sind miteinander verknotet. Andererseits bildet es keine so feste Struktur wie etwa ein Gewebe. Es ist beweglich und kann leicht unterschiedlichen Bedingungen angepasst werden, es wirkt nachgiebig und informell, ist aber viel stabiler als alle starren Verbünde.

Es liegt nahe, die in den letzten Jahrzehnten erforschten mittelalterlichen Personen- und Institutionenverbände als Netze zu begreifen, als einheitliche Gebilde, die dennoch nur lose miteinander verknüpft sind. Ernst Schubert wandte diese Metapher denn auch auf die Hanse an: "Die Hanse stellte sich [...] als ein unter Führung Lübecks stehender Verband zur Nutzung von Handelsprivilegien dar - ein relativ locker geknüpftes Netz, das sich aber bei ernsteren Belastungen sofort zusammenziehen konnte." Hier kommt ein Aspekt des Bildes vom Netz hinzu, der bisher noch nicht angesprochen wurde: es kann sich zusammenziehen, also zur Bedrohung für denjenigen werden, der sich zwar in seiner Reichweite befindet, selbst aber nicht dazugehört: das Netz als Falle.

Berücksichtigt man diesen letzten Aspekt, verengt sich das Bild vom Netz auf solche Systeme, die in zwei verschiedenen "Zuständen" begegnen: dem offenen, gleichsam in Bereitschaft verharrenden und dem sich zusammenziehenden, der damit zugleich die eigentliche Bestimmung des Netzes erfüllt. Auf die historische Wissenschaft zurückübertragen, besitzen ausschließlich noch Bündnisse diese Qualität: entstanden in Zeiten der Ruhe und Sicherheit unter Zusammenwirken prinzipiell gleichwertiger Beteiligter, die alle zumindest mittelbar miteinander verknüpft sind. Verbunden für einen "Bündnisfall", der an einem Punkt des Netzes ausgelöst wird, dieses dann aber insgesamt - unter Umständen: bis zum Zerreißen - beansprucht. Und schließlich elastisch genug, dass eventuelle Schäden lokal begrenzt bleiben, damit nicht sämtliche Bestandteile zerstört werden, wenn sich der Gegner als zu stark erweisen sollte.

Anhand zeitgenössischer (deutschsprachiger oder übersetzter lateinischer) Quellen sowie (durchaus nicht nur deutschsprachiger) Sekundärliteratur sollen im Seminar unterschiedliche Deutungen der Hanse untersucht werden, von den vereins-, körperschafts- oder staatsrechtlichen Begriffen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, die von der historisch-materialistischen Geschichtsforschung der DDR wieder aufgenommen wurden, bis zu den personen- und gruppenbezogenen Ansätzen der jüngeren Forschung.

Seminar Prof. Dr. Klaus Krüger
(MA-VI-nVI) Mittelalterliche Urkunden Veranstaltungsdetails Mo. 18:00 - 20:00 (wöchentlich), Ort: Seminarraum 10 (Raum 2.37) [EA 26-27]

Das germanische Rechtsleben kam beinahe ohne Schriftlichkeit aus. Streit- und Rechtsfälle wurden in Anwesenheit von Zeugen abgehandelt, die in Zweifelsfällen wieder hinzugezogen werden konnten. Die wichtige Rolle der Zeugen ist auch im mittelalterlichen Urkundenwesen noch nachzuvollziehen. So bestand die früheste Funktion der Urkunden darin, die Namen der bei einem Rechtsakt Anwesenden festzuhalten. Sie sollten den Abschluss des Rechtsvorganges bei späteren Unstimmigkeiten "bezeugen". Da solche Zeugenlisten leicht zu fälschen waren, mussten verschiedene Formen der Beglaubigung entwickelt werden, und dazu gehörte ein bestimmtes, römischen Rechtstraditionen entstammendes Formular, das zwar nicht mehr in allen Feinheiten verstanden, gleichwohl aber als Authentizität versprechendes Merkmal einer Urkunde weiterverwendet wurde. Für einen individuellen Stil war kein Raum, dennoch lassen sich zeittypische oder auch lokale Unterschiede und Gepflogenheiten im Schreibstil erkennen, die heute bei der Beurteilung der Echtheit helfen können. Urkunden wurden für das Verlesen geschaffen, und so wirkte zumindest bei denjenigen der weltlichen und geistlichen Herrscher auch die Schrift selbst repräsentativ: die erste sowie Signum- und Rekognitionszeile, in denen der Aussteller sich selber nannte, wurden durch Auszeichnungsschriften hervorgehoben, der Name des Herrschers zu einem auffallenden Monogramm zusammengezogen. Eine eigenhändige Unterschrift des Ausstellers war zur Beglaubigung nicht notwendig, mitunter tätigte der König immerhin einen "Vollziehungsstrich", der sein Monogramm vollendete.

Anhand ausgewählter Beispiele wird die Entwicklung des mittelalterlichen Urkundenwesens nachvollzogen, zugleich die Geschichte der Disziplin Diplomatik verfolgt. Gearbeitet wird sowohl an deutschen Übersetzungen als auch am lateinischen Original.

Seminar Prof. Dr. Klaus Krüger
(BA-VV-S) Texte aus Stadtbüchern Veranstaltungsdetails Mo. 10:00 - 12:00 (wöchentlich), Ort: Seminarraum 11 (Raum 2.39) [EA 26-27]

In dieser Übung geht es um die Vertiefung der Fähigkeiten hinsichtlich Texterschließung, Analyse und die Entwicklung von geschichtswissenschaftlichen Argumentationen. Die zu bearbeitenden Texte aus den Stadtbüchern liegen u. a. handschriftlich vor. Am Beispiel mittelalterlicher Stadtbücher werden Probleme der Stadtgeschichte auf der Grundlage des aktuellen Forschungsstandes diskutiert.
Lit.: Fr. Beck, E. Henning (Hg.) Die archivalischen Quellen, Mit einer Einführung in die historischen Hilfswissenschaften, UTB 8273 ( 4. Aufl. 2004).

Übung Dr. Monika Lücke
(BA-EV) Europa und der Norden 10.-15. Jh Veranstaltungsdetails Di. 16:00 - 18:00 (wöchentlich), Ort: Seminarraum 5 (Raum E.61) [EA 26-27]

Die Kenntnis über die nordischen Regionen war seit der Antike von Mythen und Vorurteilen geprägt. In den Blick der mitteleuropäischen Kulturen rückten erst skandinavische Seeräuber, die seit dem 9. Jahrhundert regelmäßige Überfälle bis in den Mittelmeerraum hinein verübten. Seit dieser Zeit nimmt die Quellendichte rasch zu. Mit ihrer Christianisierung seit der Jahrtausendwende begann für die nordischen Länder (Skandinavien und Nordatlantik) ein Integrationsprozess, durch den sie sich innerhalb der nächsten Jahrhunderte nicht nur auf politischem und wirtschaftlichem, sondern auch auf kulturell-religiösem Gebiet den mitteleuropäischen Reichen annäherten. So gab es bereits vor dem ersten Kreuzzug ein ausgeprägtes Wallfahrtswesen der Nordmänner, das sich auf alle großen Pilgerziele in Europa und dem nahen Osten richtete, und seit der Wende zum 12. Jahrhundert waren Dänen, Norweger, Schweden und auch Isländer auch an kriegerischen Fernreisen ins heilige Land beteiligt. Daneben bot sich ihnen mit den slawischen Völkern der südlichen Ostseeküste seit Beginn des 12. Jahrhunderts ein weiteres Ziel christlich motivierter Heerfahrten. Im Laufe des 13. Jahrhunderts gelang die Einbeziehung des hohen Nordens in die Politik der europäischen Großmächte, vor allem in der langen Regierungszeit des norwegischen Königs Håkon IV. Håkonsson (1217-1263). In dieser Zeit wurden intensive Handelsbeziehungen geknüpft, eine Heiratsallianz zwischen den Königreichen Norwegen und Kastilien geschlossen, Håkon konnte seine eigene Krönung durch einen päpstlichen Legaten erwirken, und ihm wurde die Kaiserkrone (!) angeboten. Im späten Mittelalter agierten die Länder der Kalmarer Union zeitweise als Partner, öfter als Gegenspieler der deutschen Hanse. Insgesamt stellen sie ein interessantes Studienobjekt für eine diachrone Geschichtsbetrachtung dar.

Das Seminar vertieft die Themen der Vorlesung von PD Dr. Ewert (BA-EV: Nordeuropa im Mittelalter - Wikingerzeit, Christianisierung und Reformation).

Seminar Prof. Dr. Klaus Krüger