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Course directory - SS 2021
Religionswissenschaft und Interkulturelle Theologie (SS 2021) 7 Veranstaltungen
No. Title Zeit/Ort Lecturers
Antike Mysterienkulte Course details

Seit dem siebten vorchristlichen Jahrhundert war es in der antiken Kultur möglich, sich in einen Mysterienkult einweihen zu lassen. In einer rituellen Feier, deren Details geheim bleiben mussten, wurde der/die Einzelne einer/m bestimmten Gott/Göttin, z.B. der Demeter oder dem Dionysos, „geweiht“ und erfreute sich von nun an des besonderen Schutzes dieser Gottheit, in einigen Fällen wurde den Eingeweihten auch ein besseres Leben nach dem Tod versprochen. Der berühmteste Ort solcher Einweihungen war das große Demeter-Heiligtum in Eleusis in der Nähe von Athen. Sich in einen Mysterien-Kult einweihen zu lassen, bedeutete nicht, sich einer bestimmten „Religion“ anzuschließen, sondern es stellte einfach eine beliebte, individualistische „Spielart“ religiöser Betätigung innerhalb der vielen Möglichkeiten des antiken Polytheismus dar. In der römischen Kaiserzeit nahm die Beliebtheit von Mysterien zu, es entstanden zusätzliche neue Möglichkeiten, z.B. im Rahmen des Kultes der ägyptischen Göttin Isis oder des aus Persien importierten Mithras. Die Übung wird anhand von Quellenmaterial einen Überblick über diesen spannenden Bereich antiker Religiosität geben und dabei folgende Fragen stellen: Was können wir anhand der schriftlichen und archäologischen Quellen über die geheimnisvollen Rituale wissen? Was bedeutete es für einen antiken Menschen, sich einweihen zu lassen? Ist es richtig, dass das Christentum – wie oft behauptet wurde – von den antiken Mysterienkulten beeinflusst wurde? Warum verglichen antike Philosophen immer wieder das Erkennen von Wahrheit mit der Einweihung in einen Mysterienkult?

Wednesday: 13:00 - 14:30, weekly (from 14/04/21) n.a
Martin Emmrich, M.A.
Arabische Handschriftenkultur: Texte und Forschungsansätze Course details

Dass die materielle Form von Aussagen und Texten folgenreich und wichtig ist, illustrieren aktuelle Debatten über Twitter, die „Big Lie,“ Facebook, Fake News und Cancel Culture. Und historische Beispiele für die Bedeutsamkeit von Medialität, bis hin zu den viel bemühten Medienrevolutionen, gibt es natürlich zuhauf. Doch die Konsequenzen der bis in die Moderne hinein maßgeblichen Handschriften für die Gesellschaften im Nahen Osten wurden lange Zeit nicht hinterfragt und sind erst jüngst zu einem Schwerpunkt der Forschung avanciert. Neben der Erschließung von vorher unbeachtetem Material hat sich dabei gezeigt, dass die intensivere Beschäftigung mit Manuskripten auch dazu geeignet ist, stille Vorannahmen im modernen Geschichtsbild auszuhebeln und in Teilen zu revidieren. So müssen zum Beispiel Fragen nach Autor*in und Werk, Öffentlichkeit, nach dem Wert von Originalität und Tradition neu und anders gestellt werden, wenn Texte nicht das fertige Endprodukt eines technischen Publikationsprozesses sind sondern persönlich und handgemacht.
In wöchentlichem Wechsel verbindet das Seminar Diskussionen über aktuelle Forschungen zu Aspekten von Handschriftenkultur mit praktischen Übungen an und zu arabischsprachigem Material (Manuskripte, Editionen, arabische Forschungsliteratur).

Studienleistung: Referat oder adäquate Leistung
Modulleistung: Möglichkeit zu einer Hausarbeit mit arabischem Quellentext

Tuesday: 15:30 - 17:00, weekly (from 13/04/21), WebEx n.a
Dr. Björn Bentlage
Christentum und Kultur - Einführung in die Interkulturelle Theologie Course details

"Nicht die Bestimmung des "Anderen", sondern die Entgrenzung des "Eigenen" charakterisiert Interkulturelle Theologie." (Gmainer-Pranzl). Mit der Schwerpunktverlagerung des Christentums von der nördlichen auf die südliche Erdhalbkugel, mit vieldimensionalen Globalisierungsprozessen und mit der Zunahme religiöser Vielfalt in Europa kommen Kontextualität und kulturelle Gebundenheit jeder, auch der europäischen, Theologie als deren Knotenpunkte in den Blick. Interkulturelle Theologie reflektiert danach die „Interaktion zwischen christlichem Glauben und dem kulturell-religiösem Pluralismus, an dem er selbst auch Teil hat“ (Küster).
Das Proseminar wird in Fragenrichtung, Theorien, Methoden und Fachgeschichte der Interkulturellen Theologie einführen. Die Beschäftigung mit außereuropäischen Theologien und mit der Vielgestaltigkeit der Christentümer führen zur Problematisierung der Begriffe „Kultur“ und „Religion“ und deren Verhältnisbestimmung. Dabei soll nicht die Reproduktion von Fremdheitszuschreibungen Basis für Seminardiskussionen über die Kontextgebundenheit von Theologien sein, sondern die kritische Analyse der Entstehungsprozesse kultureller Alterität. Ziel der kontinuierlichen Textlektüre und Seminarteilnahme ist das Einüben der „Kunst des Perspektivwechsels“, wie Jahnel und Wiesgickl interkulturell betriebene Theologie umschreiben, um Dichotomien zwischen dem „Eigenen“ und dem „Fremden“ ins Schwimmen zu bringen.

Tuesday: 10:30 - 12:00, weekly (from 13/04/21), Location: (SemR A)
Doris Kriegel
Einführung wissenschaftliches Arbeiten Course details

Studienleistung:
Modulleistung:
Modul: Grundlagen in die Nahoststudien

Tuesday: 18:00 - 19:30, fortnightly (from 20/04/21), online n.a
Dr. Diana Matut,
Dr. Björn Bentlage
Religionen II (Vielfalt der Religionen) Course details

Die Vorlesung ist als religionswissenschaftliche Einführungsveranstaltung gestaltet und bietet zunächst einen Überblick zu Fragen der Religionstheorie. Dabei werden verschiedene Auffassungen zu Religionsbegriff und -auffassung vorgestellt. Anschließend wendet sich die Lehrveranstaltung der Vorstellung einzelner zahlenmäßig großer Religionen zu, wie Islam, Hinduismus und Buddhismus. Auch indigene Religionen finden exemplarisch Berücksichtigung.

Friday: 10:30 - 12:00, weekly (from 16/04/21), Location: (HS II)
Dr. Eckhard Zemmrich
Schari’a – Einführung in die Lebensordnung des Islam Course details

„Scharia“ wird in gesellschaftspolitischen Diskursen oft in selektiver Weise als polemisches Schlagwort benutzt. Das Seminar will dagegen Studierenden die Aneignung differenzierter Grundinformationen zur umfassenden Lebensordnung des Islam und zu damit verbundenen rechtlichen Auffassungen ermöglichen. Exemplarisch werden auch aktuelle Fragestellungen behandelt.
Das Seminar ist eine erste und zugleich aufmerksame, religionswissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema.

Friday: 15:30 - 17:00, weekly (from 16/04/21), Location: (SemR A)
Dates on Friday. 14.05.21 17:30 - 19:00
Dr. Eckhard Zemmrich
Wissen um Religion. Ver-rückte Erkenntnis in Religionswissenschaft und Interkultureller Theologie (nur für Aufbau- und Profilmodule geeignet; nicht für Basismodule) Course details

„Was sind eigentlich Voraussetzungen, Bedingungen und Möglichkeiten unseres Wissens über Religion – oder, um eine weitere Reflexionsebene einzubeziehen, unseres Wissens über anderes Wissen über Religion – und was macht es zu wissenschaftlichem Wissen? Dabei geht es nicht nur um die Frage, wie wir begründetes Wissen über Religion erlangen können, sondern um die Bedingungen der Möglichkeit, dass Religion überhaupt zum Gegenstand unseres Wissens wird.“

Mit diesen Worten führt Klaus Hock in den kürzlich erschienenen Sammelband "Wissen um Religion: Erkenntnis – Interesse. Epistemologie und Episteme in Religionswissenschaft und Interkultureller Theologie" ein, dessen Beiträge Inhalt der Übung sein werden. Wenn wir diese Fragen ernst nehmen, dann betreffen sie auch uns als Theologietreibende in Halle. Unter welchen Prämissen (oder eingebettet in welche Wissensregime) erlangen wir Wissen über Religion, Christentum, Kirche?
Vielleicht führt ein möglicher Antwortversuch über die Erweiterung von Seh-Winkeln innerhalb einer globalen Religionsgeschichte. Wenn nämlich unterschiedliche Epistemologien als weltweit miteinander verflochtene Wissensordnungen in den Blick genommen werden, lassen sich sowohl Homogenisierungen als auch Pluralisierungen von Wissen um Religion wahrnehmen und gewohnte Erkenntnisse ver-rücken.

Pro Sitzung wird jeweils ein Text aus dem genannten Sammelband diskutiert, der das Themenspektrum von gegenwärtig an deutschen Universitäten gelehrter Religionswissenschaft / Interkultureller Theologie aufspannt. Was sich dabei unter pentekostalen Körperpraktiken, mechanischen Konversions-Echtheiten, afropolitanen Klagen, religiösen Seh-Performanzen und transkulturellen Orakeln verstehen lässt, soll gemeinsam erörtert werden. Durch regelmäßige Textlektüre und aktive Teilnahme an der Übung, die leider NICHT im Basismodul belegt werden kann, können eigene Annahmen darüber, wie oder was Religion sei, erkannt, artikuliert und vielleicht ver-rückt werden.

Wednesday: 08:00 - 09:30, weekly (from 14/04/21), Location: (SemR A)
Doris Kriegel