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andere Lehrveranstaltung: Diversity@University. Ringvorlesung zu Antidiskriminierung und Solidarität - Details
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General information

Course name andere Lehrveranstaltung: Diversity@University. Ringvorlesung zu Antidiskriminierung und Solidarität
Semester SS 2022
Current number of participants 210
expected number of participants 300
Home institute Querschnittseinrichtungen
participating institutes Vielfalt und Chancengleichheit
Courses type andere Lehrveranstaltung in category Offizielle Lehrveranstaltungen
First date Monday, 02.05.2022 18:00 - 20:00, Room: Hörsaal IV (168) [LuWu 2]
Type/Form Hybrid-Veranstaltung
Pre-requisites Keine Voraussetzungen jenseits von Interesse am Thema
Studiengänge (für) alle Studiengänge

Topics

Lesung: Mutterschaft und Wissenschaft, Podium: TINklusive Uni. Trans*, inter* und nicht-​binär gerechte Hochschule?!, Vortrag: Schöne (neue) queere Welt? Queer als Kritik und Kritik an queer., Vortrag: Inklusive Ethik der Gefährt*innenschaft. Über die Transformation des Lehrens und Lernens in universitären Wissensräumen, Vortrag: Solidarisch streiten. Die Kunst zu widersprechen, ohne zu verletzen

Rooms and times

Hörsaal IV (168) [LuWu 2]
Monday, 02.05.2022, Thursday, 09.06.2022, Monday, 27.06.2022 18:00 - 20:00
(Melanchthonianum Hörsaal XVI)
Tuesday, 17.05.2022 18:00 - 20:00

Comment/Description

2022 wird die interdisziplinäre Ringveranstaltung "Diversity@University" der Präventions- und Beratungsstelle Antidiskriminierung als Teil des FEM POWER Projektes an der MLU realisiert. FEM POWER@MLU ist ein von der Europäischen Union und dem Land Sachsen-Anhalt gefördertes Projekt im Rahmen des landesweiten Programms FEM POWER Sachsen-Anhalt.

Die Veranstaltungsreihe ist offen für alle Interessierten – Beschäftigte sowie Studierende aller Fachrichtungen sind herzlich eingeladen, teilzunehmen. Mit hochkarätigen externen Expert*innen sprechen wir über Diskriminierungsrisiken und solidarisches Handeln in Hochschulkontexten.

Diese Lehrveranstaltung ist im Studienbegleitprogramm von gender*bildet (Zertifikat Gender Studies) anrechenbar. Nähere Informationen finden Sie unter: https://www.rektor.uni-halle.de/stabsstelle/vielfalt-chancengleichheit/gender_bildet/angebote_studierende/zertifikat/
Ich bitte Sie Fragen bezüglich des Zertifikats direkt an das Team von gender*bildet zu richten.

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02. Mai 2022, 18–20 Uhr
Lesung und Gespräch:
Mutterschaft und Wissenschaft. Zur (Un-)Vereinbarkeit von Mutterbild und wissenschaftlicher Tätigkeit
Mit Dr. Lena Eckert und Dr. Sarah Czerney

Die Corona-​Pandemie lässt deutlich zu Tage treten, was auch vorher schon sichtbar war: Von Geschlechtergerechtigkeit sind wir weit entfernt. Das gilt sowohl für die Gesellschaft, als auch für die Wissenschaft.

Während des Erscheinens des Buches „Mutterschaft und Wissenschaft. Die (Un-)Vereinbarkeit von Mutterbild und wissenschaftlicher Tätigkeit“ (2020) von Sarah Czerney, Lena Eckert und Silke Martin müssen die Autorinnen erleben, dass die Auswirkungen von COVID-​19 vor allem auf den Schultern von Müttern* ausgetragen werden. Sie sind es, die sich freistellen lassen müssen, unbezahlten Urlaub nehmen oder sogar ihre Jobs verlieren, um ihre Kinder während der Schul- und Kitaschließungen zu betreuen. Auch in der Wissenschaft macht sich dieser Gender Care Gap oder Corona Gap bemerkbar: Während Wissenschaftler seit Beginn der Pandemie überdurchschnittlich viel publizieren, sind die Publikationen von Müttern*_Wissenschaftlerinnen stark zurückgegangen. Das gilt ebenso für die Einwerbung von Drittmitteln, die Entwicklung neuer Forschungsprojekte und den Besuch von Konferenzen.

Das Spannungsfeld zwischen Mutterschaft und Wissenschaft – nicht nur in Zeiten von Corona – auszuloten, ist Anliegen des ersten Buches der drei Wissenschaftlerinnen zu diesem Thema. Darin versammeln sie Stimmen von Wissenschaftler*innen, die sich in sehr persönlichen Texten mit dem Thema „Kinder haben oder nicht haben (wollen)“ auseinandersetzen und dabei auf vielfältige Art das noch immer in Deutschland vorherrschende starre Mutterbild thematisieren und hinterfragen. Dabei geht es um die gemeinsame Auslotung verschiedener Erfahrungen von privaten und professionellen Aspekten im Leben von (Nicht-)Müttern*, die in der Wissenschaft tätig sind: „Denn das ist es, was uns auszeichnet: die sich gegenseitig ausschließenden Idealisierungen und Ideologisierungen beider Positionen. Nicht die Unvereinbarkeit der Tätigkeiten, sondern die Unvereinbarkeit der zwei sehr unterschiedlichen materiell-​diskursiven Choreografien ist es, die (potentielle) Mutterschaft und Wissenschaft gegeneinander ausspielt.“

Um auf die Verschärfung dieser Situation während der Pandemie zu reagieren, arbeiten die drei Herausgeberinnen gerade an einem zweiten Buch: „Mutterschaft und Wissenschaft in der Pandemie. (Un-)Vereinbarkeit zwischen Kindern, Care und Krise“ wird im Sommer erscheinen und versammelt verschiedenste Erfahrungen von Müttern* und Menschen, die sich mit Mutterschaft beschäftigen, in der Wissenschaft während der Pandemie.

In der Lesung werden die Herausgeberinnen und Autorinnen Dr. Sarah Czerney und Dr. Lena Eckert mit Leseproben einen Einblick in die Bücher geben, um das Spannungsfeld zwischen Mutterschaft und Wissenschaft in einer anschließenden Diskussion auszuloten.

Sarah Czerney, Dr. phil., arbeitet derzeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Gleichstellungsprojekt FEM POWER am Leibniz-​Institut für Neurobiologie in Magdeburg. Sie hat Europäische Medienkultur studiert und 2018 an der Goethe-​Universität Frankfurt/M. promoviert. Neben der praktischen Gleichstellungsarbeit liegen ihre Schwerpunkte auf feministischer Theorie und Wissenschaftskritik, Mutterschaft und Wissenschaft sowie gleichberechtigter Eltern- und feministischer Mutterschaft. Sie hat zwei Söhne und lebt mit ihrer Familie in Magdeburg.

Lena Eckert, Dr. phil. ist Genderwissenschaftlerin sowie Schreib- und Bildungsforscherin. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin und arbeitet als akademische Mitarbeiterin am ZLL - Zentrum für Lehre und Lernen an der Europa-​Universität Viadrina in Frankfurt Oder. Ihre Forschung konzentriert sich auf die Kritik von Macht- und Herrschaftsverhältnissen in Hochschule und Gesellschaft. Sie ist insbesondere interessiert an der Strukturierung von Gesellschaft und Wahrnehmung durch Geschlecht und andere Differenzkategorien und sucht nach emanzipativen Strategien im Wissenschaftsbetrieb. Sie publiziert international zu interdisziplinären, medien- und bildungswissenschaftlichen Themen der kritischen Gender Studies und versucht immer wieder Aktivismus, Kunst und Wissenschaft zusammenzubringen.

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17. Mai 2022, 18–20 Uhr
Hörsaal XVI Melanchthonianum
Podiumsgespräch:
TINklusive Uni. Trans*, inter* und nicht-binär gerechte Hochschule?!

Diese Veranstaltung ist eine Kooperationsveranstaltung der Präventions- und Beratungsstelle Antidiskriminierung, des Gleichstellungsbüros und des Arbeitskreis que(e)r_einsteigen des Studierendenrates anlässlich des IDAHOBIT*

Sich in binären Vorstellungen von Geschlecht zu verorten ist für die Einen so alltäglich und banal, dass es ihnen kaum auffällt – auch in universitären Kontexten. Bei der Anwesenheitskontrolle in der Lehrveranstaltung heißt es Frau XY oder Herr YZ. In den Pausen muss sich entschieden werden zwischen der Damen- und Herrentoilette. Auf der Immatrikulationsbescheinigung, im Stud.IP und auf dem Studierendenausweis steht der Name, der auch im Personalausweis steht. Was für die Einen selbstverständlich wirkt, ist für viele Personen an der Universität jedoch ein von außen erzwungenes tägliches Konfrontieren mit falschen Namen und Geschlechtszuweisungen sowie eine Aneinanderreihung schmerzhafter Zwangsoutings.

Die Universität Halle wertschätzt die Vielfalt ihrer Mitglieder, Angehörigen und Gäste auch hinsichtlich ihrer geschlechtlichen Vielfalt und setzt sich für einen diskriminierungs-, belästigungs- und gewaltfreien Umgang miteinander ein. In dieser Veranstaltung möchten wir das Thema universitäre Lehre fokussieren und uns darüber austauschen, wie eine solidarische und diskriminierungssensible Lehre für trans*, inter* und nicht-binäre Personen aussehen kann und wie alle Studierenden und Lehrenden dazu beitragen können: Wie können TIN-Studierende durch Lehrende und Kommiliton*innen unterstützt werden? Wie können Lehrveranstaltungen TINklusiv gestaltet werden? Was brauchen TIN-Studierende, um sich in Lehrveranstaltungen sicher und wohl zu fühlen?

Darüber wollen wir in einer Podumsdiskussion ins Gespräch kommen mit:

– Dipl.-Psych.*in René_ Rain Hornstein [em oder kein Pronomen] (forscht und lehrt zu Themen in den Trans* Studies und in der Psychologie)
– Prof.in Dr.in Kirsten Puhr [sie] (Professorin an der MLU)
– ein Mitglied der Stud*entinnen-​Initiative call me by my name [keine Pronomen oder they]
– Dr. Phries Künstler [sier/xier oder keins] (wissenschaftliche_r Mitarbeiter_in der an der MLU)

Das Gespräch wird moderiert von Márcia Elisa Moser [sie/keine Pronomen].

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09. Juni 2022, 18–20 Uhr
Prof. Dr. María do Mar Castro Varela:
Kritik und Solidarität. Die Kunst zu widersprechen, ohne zu verletzen

Ist es möglich Kritik zu äussern, zu widersprechen, ohne zu verletzen? Ist es, anders gefragt, notwendig zu widersprechen, ohne zu verletzen? Wenn auch heutzutage viel zu häufig Kritik als verletzend erlebt wird,
so stimmt auch, dass die verletzende Rede (insbesondere in den Sozialen Medien) normalisiert wurde und zudem oft as Widerstand beschrieben wird.
Im Vortrag wird das komplexe und komplizierte Verhältnis zwischen Meinungsäusserung, Kritik und Verletzung ausgelotet und für ein kontrapunktisches Denken plädiert, welches Kritik immer mitdenkt und
solidarisches Handeln erwartet.

María do Mar Castro Varela, (Prof. Dr.) ist Diplom-Psychologin, Diplom-Pädagogin und promovierte Politikwissenschaftlerin und Professorin für Allgemeine Pädagogik und Soziale Arbeit an der Alice Salomon Hochschule Berlin. Im Wintersemester 2021/22 hatte sie die Sir Peter Ustinov Gastprofessur am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien inne. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten zählen die Queer Studies, die Postkoloniale Theorie, die Kritische Migrations- und Bildungsforschung, Trauma und Verschwörungsnarrative. Unter anderem war sie 2015/16 Senior Fellow am Institut für die Wissenschaft des Menschen (IWM) in Wien. Sie ist Mitglied der Forschungsgruppe „Radiating Globality“, Gründerin und Mitglied des bildungsLab* (bildungslab.net) und Vorsitzende des Berliner Instituts für kontrapunktische Gesellschaftsanalysen (BIKA e.V.).
Aktuelle Publikation: "Post/Pandemisches Leben. Eine neue Theorie der
Fragilität" (Ko-Autorin).

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Der ursprünglich für den 13. Juni geplante Vortrag von Klemens Ketelhut muss leider auf den 14. November verschoben werden.

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27. Juni 2022, 18–20 Uhr
Dr. Janina Loh:
Inklusive Ethik der Gefährt*innenschaft. Über die Transformation des Lehrens und Lernens in universitären Wissensräumen

Universitäten sind Orte, an denen Wissen produziert, gelehrt und gelernt wird. Universitäten haben dabei den Anspruch, möglichst vielfältigen Personen ein diskriminierungssensibles Forschen, Lehren und Lernen zu ermöglichen. Werden jedoch die in universitären Räumen vorherrschenden Wissenskulturen aus einem feministisch-​philosophischen Blickwinkel betrachtet, so wird deutlich, dass diese Wissenskulturen Herausforderungen für den antidiskriminatorischen Anspruch der Institution darstellen. Am Beispiel tradierter Ethikschulen wird im Vortrag aufgezeigt, inwiefern essenzialistische, exklusive und dichotome Vorstellungen Diskriminierung begünstigen und einem solidarischen Miteinander im Wege stehen. Im Anschluss wird eine alternative inklusive Ethik der Gefährt*innenschaft vorgestellt, die zugleich kritisch-​posthumanistisch als auch queerfeministisch ist. Abschließend wird beleuchtet, welche Konsequenzen eine solche Ethik für ein solidarisches Miteinander in universitäre Wissensräumen hätte.

Janina Loh (geb. Sombetzki) ist Ethiker*in auf einer Stabsstelle Ethik bei der Stiftung Liebenau in Meckenbeuren am Bodensee. Loh hat an der Humboldt-​Universität zu Berlin studiert und von 2009–2013 im Rahmen des von der DFG finanzierten Graduiertenkollegs "Verfassung jenseits des Staates: Von der europäischen zur Globalen Rechtsgemeinschaft?" promoviert. Lohs Dissertation "Verantwortung als Begriff, Fähigkeit, Aufgabe. Eine Drei-​Ebenen-​Analyse" erschien 2014. Nach einem Post-Doc-Aufenthalt an der Universität Kiel (2013–2016) hat Loh als Universitätsassistentin (Post-Doc) im Bereich Technik- und Medienphilosophie an der Universität Wien gearbeitet (2016–2021). 2018 erschien von Loh die erste deutschsprachige "Einführung in den Trans- und Posthumanismus" und 2019 eine "Einführung in die Roboterethik". Lohs Habilitationsprojekt entwirft eine "Inklusive Ethik der Gefährt*innenschaft für die Wissensräume". Zu Janina Lohs engeren Forschungsinteressen zählen neben der Verantwortung, dem Trans- und Posthumanismus und der Roboterethik auch Hannah Arendt, feministische Technikphilosophie, Theorien der Urteilskraft sowie Ethik in den Wissenschaften.