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Seminar: (MA-MII-nMII) Erinnerungskonflikte im Vergleich in Deutschland, Korea, Japan - Details
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"Erinnerungskultur" ist zum Modewort geworden und zugleich zu einem boomenden Feld wissenschaftlicher und mehr noch außerwissenschaftlicher Beschäftigung mit "Vergangenheitsvergegenwärtigung", um es sperriger und präziser zu formulieren.
"Erinnerungskultur" in Deutschland steht im Banne der Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus (und, weit dahinter, mit der Geschichte des Staatskommunismus in der DDR). Inzwischen konkurrieren dabei, mal offen, mal implizit, eine nationale Perspektive (der Nationalsozialismus als deutsche Geschichte und die NS-Verbrechen als deutsche Tat) und eine universalisierende (unter dem Stichwort "Universalisierung" des Holocaust, früher mehr in Verbindung einer Betonung des Zusammenhangs von Moderne und Holocaust, heute eher im Kontext eines Vergleichs mit dem Kolonialismus und mit kolonialen Verbrechen).
Das Seminar versucht, einerseits sich einige Grundlinien und Grundfragen im "erinnerungskulturellen" Feld in Deutschland bewußt zu machen, und will vor allem durch einen Blick auf Ostasien (Japan, Korea) und dortige - andere - erinnerungskulturelle Konflikte und Probleme den Blick schärfen für
a) eine vergleichende Beschäftigung mit diesen Fragen;
b) schlicht Kenntnis über vielleicht ganz anders gelagerte Erinnerungskonflikte vermitteln.

Hierfür lesen wir zuerst - wenige - Überblickstexte zur deutschen Erinnerungskultur und wenden uns dann den Konflikten in und zwischen Japan und Korea zu - und dabei eben auch den unterschiedlichen historischen und kulturellen Voraussetzungen für "Erinnerung", wie auch den unterschiedlichen "Vergangenheiten" im Vergleich zu Deutschland. Für Japan geht es um die Frage der Thematisierung der eigenen Rolle im Zweiten Weltkrieg; um Hiroshima/Nagasaki; um das Verhältnis zu den ostasiatischen Nachbarn. Für Korea besonders um das Verhältnis zu Japan (japanische Kolonialherrschaft, japanische Kriegspolitik - Stichwort "comfort women" - und um die Gedenkpolitik Japans in Bezug auf spezifisch koreanische Problemlagen).

Literatur:
a) Zur Einführung einige Texte, für den allgemeinen Einstieg empfehle ich folgende drei:

Hettling, Manfred, Sinnstiftung und Sinnsuche. Gedenken an Tote politischer Gewalt im 20. Jh. (deutsches Manuskript), koreanisch in: Choi, Ho-Keun Hg., Commemorative Culture in the Age of Globalization, Seoul 2020, 23-62 (Versuch eines globalen Blicks auf Erinnerungen an Tote politischer Gewalt, d.h. der Gedenkformen an Soldaten wie an zivile Opfer)

Bohrer, Karlheinz, Erinnerungslosigkeit (2001), in: ders., Ekstasen der Zeit, München 2003, 10-29 (meines Erachtens einer der besten Texte zur deutschen Erinnerungskulturproblematik).

Hettling, Manfred/Schölz, Tino, Distanz und Kontinuität. Vergangenheitsthematisierung in Japan und Deutschland seit 1945 im Vergleich, in: Ishida, Yūji / Kawakita, Atsuko (Hg.), Gendai Doitsu e no shiza. Rekishi-gaku-teki apurōchi. Band 2: Nachizumu, horokōsuto to sengo Doitsu [Neue Forschungen zur deutschen Zeitgeschichte. Band2. Nationalsozialismus, Holocaust und Nachkriegsdeutschland], Tōkyō 2020, S.313-354, hier deutsches Manuskript (Vergleich der Vergangenheitsthematisierung in Deutschland und Japan nach 1945).

b) Zum Einstieg in die Thematisierung der Frage der Zwangsprostitution/"comfort women":
MiJin Cho, Victim Silencing, Sexual Violence Culture, Social Healing: Inherited Collective Trauma of World War II South Korean Military “Comfort Women”, 2020; https://scholarscompass.vcu.edu/pkp/1

Dongho Chun, The Battle of Representations: Gazing at the Peace Monument or Comfort Women Statue, 2020; DOI 10.1215/10679847-8112482

Kumagai, Naoko, The Background to the Japan-Republic of Korea Agreement: Compromises Concerning the Understanding of the Comfort Women Issue, in: Asia-Pacific Review, 23:1, 65-99, DOI: 10.1080/13439006.2016.1195955

c) Zur Frage der Erinnerung an die Gefallenen in Korea und Japan:
Choi, Ho-Keun, Vom etatistischen zum republikanischen Totenkult. Südkoreanische Erinnerungskultur seit 1945, 2016

Schölz, Tino, „Heldenseelen“ und „Fundamente des Friedens“ Gefallenenkult und Kaiserloyalität,in: M. Hettling/J. Echternkamp Hg., Gefallenengedenken im internationalen Vergleich, München 2013, 303-31

Admission settings

The course is part of admission "Zeitgesteuerte Anmeldung: (MA-MII-nMII) Erinnerungskonflikte im Vergleich in Deutschland, Korea, Japan".
The following admission rules apply:
  • A defined number of seats will be assigned to these courses.
    Seats will be assigned in order of enrollment.
  • Enrollment possible from 22.03.2021, 00:00 to 12.04.2021, 23:59.