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Lecture: BA Jüdische Kulturen in Mittelalter und Neuzeit - Details
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General information

Subtitle Nicht ein Judentum, sondern viele
Course number OSW.05519.02
Semester WS 2021/22
Current number of participants 7
expected number of participants 12
Home institute Seminar für Judaistik / Jüdische Studien
Courses type Lecture in category Offizielle Lehrveranstaltungen
Next date Tue , 25.01.2022 10:30 - 12:00
Type/Form Basismodul Jüdische Geschichte
ECTS points 5 LP

Topics

Die Dynamik zwischen Hasidim und Mitnaggedim im polnischen Judentum (17.-18. Jahrhundert), Entstehungsbedingungen der Berliner Aufklärung/Haskala (18. Jahrhundert) und ihre Reorientierung jüdischen Lebens (Emanzipation), Nach der Vertreibung des Judentums im Jahr 1492 (Holland, Italien), Entwicklung des aschkenazischen Judentums (Haside Ashkenaz) in Nordfrankreich und dem Rheinland (11.-13. Jahrhundert), Die Kabbala als Reaktion auf die Philosophie (11.-14. Jahrhundert): Maimonidische Kontroverse in der Provence im 13. und 14. Jahrhundert und ihre Folgen, Kulturelle Bedingungen der Verbindung von Tradition, Poesie und Wissenschaften in al-Andalus (10.-14. Jahrhundert), Judentum unter dem Islam (6.-10. Jahrhundert), Einleitung – Modelle moderner jüdischer Geschichtsschreibung, Die Fortführung der Haskala durch Akkulturation und in der Wissenschaft des Judentums (19. Jahrhundert), Die Sefarden im Osmanischen Reich und das Leben der orientalischen Jüd:innen unter dem neuzeitlichen Islam

Course location / Course dates

n.a Tuesday: 10:30 - 12:00, weekly

Fields of study

Comment/Description

Häufig redet man von „der jüdischen Geschichte“. Es ist jedoch fraglich, ob dieser neuzeitliche Begriff der Geschichte (als Kollektivsingular) die Dynamik der jüdischen Traditionen abbilden kann. So sagte einmal der Kulturhistoriker Shlomo Pines: „Jeder Versuch, über 'jüdische Kultur' zu reden, welcher nicht auf dem Bewusstsein beruht, dass sie in Wahrheit eine multikulturelle Angelegenheit ist, muss letztendlich als Verfälschung historischer Tatsachen scheitern“. Tatsächlich schließt diese Position eine Vorstellung von der einen jüdischen Geschichte im Singular als unhistorisch aus. Man muss weltweit eine Vielzahl von relativ unabhängigen jüdischen Kulturen konstatieren, deren Herausbildung wesentlich durch ihre Beteiligung an lokalen kulturellen Zentren bedingt war. Dass es durchaus die Idee von dem einen jüdischen Volk gibt, ist eine Tatsache, welche eher dem jüdischen Bewusstsein zuzuschreiben ist. Ziel der Vorlesung wird es sein, anhand ausgewählter Beispiele jüdischer literarischer Kreativität zwischen dem Mittelalter und der Neuzeit zu verdeutlichen, wie sich die Vielgestaltigkeit der jüdischen Kulturen aus ihrem engen Kontakt mit regionalen Zentren kultureller Aktivität geformt hat.

Literatur:
Biale, David (Hg.): Cultures of the Jews. A New History, 3 Bde., New York 2002
Brenner, Michael: Von einer jüdischen Geschichte zu vielen jüdischen Geschichten, in: Jüdische Geschichtsschreibung heute, München 2002, 17-35
Funkenstein, Amos: Jüdische Geschichte und ihre Deutungen, Frankfurt 1995
Myers, David N.: Einleitung, in: Jüdische Geschichtsschreibung heute. Themen, Positionen, Kontroversen, hg. von Michael Brenner und David N. Myers, München 2002, 7-16