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Lecture: Medizin, Macht, Markt - Details
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General information

Semester SS 2021
Current number of participants 13
Home institute Theologische Fakultät
Courses type Lecture in category Offizielle Lehrveranstaltungen
Miscellaneous Zeit:

11. Juni – 13. Juni 2021

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Course location / Course dates

unspecified

Module assignments

Comment/Description

Die mediale Repräsentation der Corona-Krise hat vor Augen geführt, dass eine Lücke klafft zwischen der "Krankheit selbst" und den Operationalisierungen, innerhalb derer krankheitswertige Begleitumstände reflexiv werden. Im Zugleich mit dem Notorisch-Werden der "Epidemie als Thema" redundiert das Gefühl, auch hermeneutisch dem Virus keineswegs gewachsen zu sein.
Unsere Vorlesung nimmt diesen Umstand zum Anlass, sich medizinphilosophischen Theorieprojekten zuzuwenden, die um eine Kriteriologie von Gesundheit und Krankheit bemüht sind. Im Zentrum stehen Texte von Nietzsche und Foucault. Nietzsche, der im Geiste seiner Ontologie des auf Dauer gestellten Kommentars den Unterschied zwischen gesundem und krankem Zustand einer strengen Definition entziehen möchte, formuliert eine "große Gesundheit", in der sich so viel Liebe zum eigenen Sein ausgedrückt findet, dass diese Zuneigung weit jenseits der bloßen Abwesenheit von Krankheit siedelt.
Foucault meint, erkennen zu können, dass die moderne Medizin seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert ihren schwindelerregenden Aufschwung teuer erkauft hat: Medizin als Beziehung zwischen Ärztin und Patient, die gemeinsam um eine angemessene Deutung von Symptomen ringen, politisiert sich, indem über machtgesteuerte Verallgemeinerungstendenzen (Hygiene, Sozialmedizin, Ernährungswissenschaft) das Leben unter einen Optimierungsdruck gerät.

Literatur:

Karl Jaspers: Nietzsche. Einführung in das Verständnis seines Philosophierens, Berlin 1981

Henning Ottmann [Hg]: Nietzsche-Handbuch. Leben, Werk, Wirkung, Stuttgart 2000

Karl E. Rothschuh: Geschichte der Physiologie, Heidelberg 1953

Michel Foucault: Die Geburt der Klinik. Eine Archäologie des ärztlichen Blicks, Frankfurt a. M. 2011

Petra Gehring: Was ist Biomacht? Vom zweifelhaften Mehrwert des Lebens, Frankfurt a. M. 2006