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Seminar: Frauen vor Gericht. Geschlechterkampf in Prozessform. Ausgew... - Details
 
  Frauen vor Gericht. Geschlechterkampf in Prozessform. Ausgewählte Fragestellungen von der Antike bis zum 20. Jahrhundert
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  Zeit:
Dienstag: 18:15 - 19:45, wöchentlich (ab 21.04.2015), Ort: Hörsaal XII [Löw], Hörsaal C [Mel], Hörsaal XIII [Löw]
Mittwoch: 18:15 - 19:45, wöchentlich (ab 15.04.2015), Ort: Seminarraum T
Termine am Di. 03.02. 16:15 - 18:00, Di. 07.04. 18:15 - 19:45, Di. 06.10. 00:00, Ort: Hörsaal XII [Löw], (Universitätsring 4 EG)
Semester:
SS 2015
  Erster Termin:
Di., 03.02.2015, 16:15 - 18:00, Ort: (Universitätsring 4 EG)
Vorbesprechung:
Di., 03.02.2015, 16:15 - 18:00
  Veranstaltungsort:
Hörsaal XII [Löw] Di. 18:15 - 19:45 (8x)
Di. 07.04. 18:15 - 19:45
Hörsaal C [Mel] Di. 18:15 - 19:45 (2x)
Hörsaal XIII [Löw] Di. 18:15 - 19:45 (2x)
Aula [Löw] Di. 18:15 - 19:45 (1x)
Seminarraum T Mi. 18:15 - 19:45 (13x)
(Universitätsring 4 EG) Di. 03.02. 16:15 - 18:00
 
  DozentIn:
Prof. Dr. Heiner Lück
TutorIn:
Anne-Marie Heil, M.A.
  Veranstaltungstyp:
Seminar in der Kategorie Offizielle Lehrveranstaltungen
 
  Kommentar/Beschreibung:
Frauen vor Gericht oder: „Geschlechterkampf“ in Prozessform.
Ein Seminar aus Anlass des 30. Todestages von Prof. Dr. iur. Gertrud Schubart-Fikentscher (1896-1985) – der ersten Frau auf einem juristischen Lehrstuhl im deutschen Sprachgebiet.

Die unterschiedliche Stellung der Geschlechter im gesellschaftlichen Zusammenleben ist ein die ganze Menschheitsgeschichte durchziehendes Phänomen. An die von der Natur vorgegebenen Unterschiede haben auch die rechtlichen Regelungen angeknüpft, die freilich, ganz dem jeweiligen Zeitkolorit entsprechend, von religiösen, abergläubischen und männliche Herrschaft sichernden Faktoren geprägt waren. Es nimmt daher nicht wunder, dass Frauen nicht nur im jeweiligen materiellen Recht, sondern auch vor den Gerichten prozessual anders behandelt wurden als Männer. Freilich gab es auch immer Verbindendes, d. h. geschlechtsunspezifische Erscheinungen, im Zusammenhang mit Normen, Devianz, Rechtsprechung und Herrschaftsausübung. Vor diesem Hintergrund hat sich die Wissenschaft immer wieder mit diesen Grundsatzfragen des sozialen Wesens homo sapiens beschäftigt – und keineswegs erst seit den 1960er Jahren, in denen der Kampf um die Gleichberechtigung der Geschlechter in der Bundesrepublik massiv einsetzte und zu entsprechenden rechtlichen Regelungen und Grundwerten führte. Bis zum heutigen Tag arbeitet man an deren Perfektion. Zu den engagierten Persönlichkeiten, die sich schon in den 1920er Jahren um die Gleichbehandlung von Frauen in der Gesellschaft und im Recht kümmerten, gehörte Gertrud Schubart-Fikentscher. Schon vor ihrer wissenschaftlichen Laufbahn arbeitete sie mit den Frauenrechts- und Sozialaktivistinnen Gertrud Bäumer (1873-1954) und Helene Lange (1848-1930) zusammen. Diverse Studien zur Stellung der Frau im Alten Ägypten, bei den Germanen und im Sachsenspiegel hat sie schon sehr früh veröffentlicht. Im Jahre 1939 hat sie sich sogar in einer Zeitschrift zur Frage weiblicher Homosexualität geäußert. Später, nachdem sie als erste Frau im gesamten deutschsprachigen Gebiet auf einen rechtswissenschaftlichen Lehrstuhl berufen worden war (das war 1948 in Halle !), folgten bislang unersetzliche Studien zur Rechtsstellung unehelicher Kinder und deren Mütter, der Komödiant(inn)en in der Aufklärungszeit u. v. a.
Ihrem Andenken ist das hier angekündigte Seminar gewidmet. Es will diversen Fragen des auch rechtlich/prozessual determinierten Schicksals von Frauen von der Antike bis zum 20. Jh. nachgehen. Dabei wird auch die Verbindung zu den modernen methodischen Zugriffen und Analysen der Geschlechterforschung („gender studies“) gesucht. Im Vordergrund stehen freilich die historischen Quellen, um, dem ureigenen Anliegen von Wissenschaft gerecht werdend, Wahrheit von Unwahrheit zu unterscheiden.

Themen (Auswahl):

1) „Geschlechterkampf“: ideologische Phrase oder wissenschaftlicher Begriff?
(Einführung H. Lück)
2) Gab es eine geschlechterspezifische „weibliche Kriminalität“ im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit?
3) „Maior dignitas est in sexu virili“ [Die größere Würde liegt im männlichen Geschlecht] ? Das Frauenbild im ius commune
4) König Salomo: Der Prozess um das lebende Kind (Löwengebäude, Wandmalerei, 2. OG, Ostwand, links)
5) Causa der Susanna: Der Prozess gegen die sich verweigernde Schöne (Löwengebäude, 2. OG, Wandmalerei, Ostwand, rechts)
6) Calpurnia versus Imperator: Weibliche Frechheit führt zum Entzug der Prozessfähigkeit von Frauen für Jahrtausende
7) „Dat wif is … des mannes notinne, to hant … se in sin bedde trit…“ [Die Frau ist des Mannes Genossin, sobald sie in sein Bett tritt.] Frauen in Bild und Text des Sachsenspiegels
8) Heerführerin oder/und Hexe? Die Prozesse gegen Jeanne d’Arc (1430/31)
9) Unerfüllte Liebe als Handlungsmotiv: Der Prozess gegen Esmeralda und ihre Ziege (1482) in Victor Hugos Roman „Der Glöckner von Notre Dame“
10) Männliche Aussage gegen weibliche Beweise: Der Prozess gegen Grete Minde in Tangermünde (1617-1619)
11) „Weise Frauen“: Hebammen, Kräuterfrauen und Naturheilerinnen unter Generalverdacht
12) „Die Hex’ muss brennen!“. Hexerei- und Zaubereiprozesse als Geschlechterphänomen
13) Fausts Gretchen: Der Prozess gegen Susanna Margaretha Brandt (1771/72)
14) Kindstötung als männlich bedingte Verzweiflungstat in Mittelalter und Früher Neuzeit ?
15) Von „Hänsel und Gretel“ bis „Babyklappe“: Kindesaussetzung als Rechtsproblem
16) Mätressen – Etablierung, Absicherung, Entledigung jenseits des Gerichts: Der Fall Anna Constantia Reichsgräfin von Cosel (1680-1765)
17) JuristInnen: Die Öffnung des Jurastudiums und der juristischen Berufe für Frauen im 19. Jh.
18) Misstrauen gegenüber unverheirateten Müttern ? Die „gesetzliche Amtspflegschaft“
(§ 1706 a. F. BGB) im Geltungsbereich des Grundgesetzes (1970-1998)
19) Von den „Spinnstuben“ der Frühen Neuzeit zu den Frauengefängnissen der Moderne. Geschlechterspezifische Aspekte in der Geschichte des Strafvollzugs
20) Martin Luthers rechtswidriges Testament: Der Kampf Katharina Luthers (1499-1552) um ihr Erbe
21) Innovation an der Ostsee: Die Rechtsstellung der Kaufmannsfrau nach Lübecker Stadtrecht

Eine weitere Vorbesprechung zu dem Seminar "Frauen vor Gericht..." findet am Dienstag, den 7. April 2015, 18.15 Uhr, statt. Der Ort wird noch rechtzeitig im Netz bekannt gegeben. Anmeldungen zur Teilnahme sind spätestens in diesem Termin noch möglich.
Alle Interessenten sind herzlich eingeladen!

Literatur (Auswahl):

C. von Braun/I. Stephan (Hg.): Gender@wissen. Ein Handbuch der Gender-Theorien, 3. Aufl., Köln/Weimar/Wien 2013; A. Cordes/H. Lück/D. Werkmüller/H.-P. Haferkamp (Hg.): Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte, 2. Aufl., Berlin 2008 ff. [hierin div. einschlägige Artikel]; U. Gerhard (Hg.): Frauen in der Geschichte des Rechts. Von der Neuzeit bis zur Gegenwart, München 1999; R. Habermas: Susanna Brandt, Gretchen und Goethe: Ein Kindsmord im Frankfurt des ausgehenden 18. Jahrhunderts, in: NJW 1999, S. 1936-1939; G. Hoffmann: Constantia von Cosel und August der Starke. Die Geschichte einer Mätresse, 20. Aufl., Bergisch-Gladbach 2009; E. Koch: Maior dignitas est in sexu virili. Das weibliche Geschlecht im Normensystem des 16. Jahrhunderts, Frankfurt a. M. 1991; H. Lück: Leben und Sterben am Abgrund. Das Schicksal der Grete Minde zwischen Patriziat und Bandenkriminalität, in: S. Brückner (Hg.): Tangermünde. 1000 Jahre Geschichte, Dößel 2008, S. 257-274; ders.: Beginn und Ende der gesetzlichen Amtspflegschaft nach dem Einigungsvertrag, in: FamRZ 1992, S. 886-892; ders.: Recht und Medizin im ikonographischen Programm des Hauptgebäudes der Universität Halle-Wittenberg, in: B.-R. Kern/H. Lilie (Hg.): Jurisprudenz zwischen Medizin und Kultur. Festschrift zum 70. Geburtstag von Gerfried Fischer (= Recht und Medizin 104), Frankfurt a. M. 2010, S. 279-296; ders.: Luthers Testamente, in: A. Kohnle (Hg.): Luthers Tod (= Schriften der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt), Leipzig (im Druck); M. Rummel: Die rechtliche Stellung der Frau im Sachsenspiegel-Landrecht, Frankfurt a. M. 1987; F. Schößler: Einführung in die Gender Studies, Berlin 2008; O. Ulbricht (Hg.): Von Huren und Rabenmüttern. Weibliche Kriminalität in der Frühen Neuzeit, Köln/Weimar/Wien 1995; H. Scheffel: Vom Schlachtfeld zum Scheiterhaufen. Die Prozesse der Jeanne d’Arc, in: U. Schulz (Hg.): Große Prozesse. Recht und Gerechtigkeit in der Geschichte, München 1996, S. 103-113.
  Studienbereich:
Juristische und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät > Juristischer Bereich - Law School > Seminare  
  Heimat-Einrichtung:
Prof. Dr. Heiner Lück
Beteiligte Einrichtung:
Juristischer Bereich - Law School
  Anzahl der Teilnehmenden: 56
DozentIn: 1
TutorIn: 1
Sonstige: 54
Forenbeiträge: keine Dokumente: keine